Was ist in der NS-Zeit in Verl passiert?
Bild: Heimatverein
Welche Erinnerung haben Verler an die Jahre 1933 bis 1945? Um diese Frage geht es bei dem Projekt Erinnerungskultur, das die Stadtverwaltung jetzt umsetzt. Das Bild zeigt eine Fahnenweihe der Sturmabteilung (SA) Verl.
Bild: Heimatverein

Die Historikerin Dr. Katja Kosubek soll in den nächsten Monaten bis zu 15 Senioren befragen. Das Wissen soll damit konserviert werden. Die Zeitzeugen, die die Historikerin aus Halle nun besuchen wird, sind zwischen 1925 und 1933 geboren und haben die NS-Zeit in der Kommune miterlebt. Sie stammen aus verschiedenen Ortsteilen und haben ganz unterschiedliche Karrieren hinter sich.

Matthias Holzmeier von Heimatverein ist einer, der an dem Projekt mitarbeitet. Ebenso Josef Freise. Die Verwaltung hat die lokalen Experten eingebunden. Matthias Holzmeier zum Beispiel hat mit einigen Zeitzeugen, die vorab einen Brief von Michael Esken mit der Bitte um Mitarbeit erhalten hatten, aufgesucht. „So viel habe ich nicht zu erzählen“, sei oft die erste Reaktion gewesen, sagt Matthias Holzmeier. Dann aber sei er mit den Senioren ins Gespräch gekommen.

Und schon bei diesen Vortreffen wurde deutlich: Es ist doch einiges Wissen vorhanden. Das soll Katja Kosubek nun bergen. „Die Zeitzeugen werden weniger“, sagt Michael Esken mit Blick auf die NS-Zeit in Verl. Die Gespräche werden aufgenommen. Thematisiert wird dann die Lebensgeschichte der Zeitzeugen. Wo und wie ist er aufgewachsen? Wie ist er sozialisiert worden? Und welche politische Einstellung herrschte im Elternhaus? – das könnten mögliche Fragen sein, sagt Katja Kosubek. Sie legt sich bewusst nicht fest.

Generell geht es darum, ins Gespräch zu kommen. Geplant ist, die Aufnahmen am Ende zu einem gut 30-minütigen Tondokument zusammenzuschneiden. Katja Kosubek beschäftigt sich vorab mit der Verler Geschichte, um mitreden zu können. Im Gegensatz zu ihrer Heimatstadt Halle war in Verl die Zentrums-Partei stark. Der Ort war (und ist) katholisch geprägt.

„Ich habe mich schon immer für die Geschichte von Menschen interessiert“, sagt die Historikerin. Sie hat in Hamburg studiert und dort 2015 promoviert. Es sei ihr ein Anliegen, zu verstehen und nicht zu beurteilen. „Wie hat die Geschichte in kleinen Räumen wie Verl stattgefunden?“, fragt Kosubek, die in Halle das virtuelle Geschichtsmuseum leitet.

Im kommenden Jahr soll die Arbeit abgeschlossen werden. Zu den Tondokumenten soll jeweils eine halbe Seite Text erscheinen. Dort wird der Inhalt zusammengefasst. Und bis dahin soll auch entschieden werden, wo die Dokumente veröffentlicht werden.

Zum Auftakt des Geschichtsprojekts findet am Donnerstag, 19. Oktober, ab 19.30 Uhr im Heimathaus an der Sender Straße eine Lesung statt, zu der alle Interessenten eingeladen sind. Dr. Katja Kosubek trägt dann aus ihrer Doktorarbeit vor, die in diesem Jahr erschienen ist und sich mit den alten Kämpferinnen der NSDAP beschäftigt.

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