 Von unserem Redaktionsmitglied BERND EVERS
Detmold (gl). Es ist wie eine Reise in eine andere Zeit: Im Freilichtmuseum Detmold tauchen die Besucher ein in das Leben aus früheren Zeiten.
„Das ist einfach nur toll“, sagt Brigitte Kaatz. Die Brandenburgerin sieht staunend zu, wie Museumsmitarbeiterin Ulrike Loth eine weiße Leinenbluse schneidert. Ganz ohne maschinelle Hilfe, einfach nur mit Nadel und Faden. „Dass es so etwas heute noch gibt“, ist Kaatz fasziniert. Loth sitzt im Schneidersitz auf einem Eichentisch, um den Hals hängt ein Metermaß, vor ihr verschiedene Garne. „Genauso wie ich hier auf dem Tisch sitze, haben meine Kollegen im 19. Jahrhundert gearbeitet“, erklärt Ulrike Loth. Die Arbeitsfläche des Schneiders war sein Knie. Loth näht nicht nur für sich alleine, wie sie berichtet. Sie gibt auch Kurse: Frauen können ein Kleid nähen, Kinder lernen, Wolle zu filzen und basteln rosarote Filz-Schweinchen.
Wenige Schritte weiter erntet Corinna Graunke Zwiebeln im Garten des Pfarrhauses. „Der Pfarrersgarten war immer etwas besonderes“, erklärt die Gärtnerin. Da wuchsen Pflanzen, die sonst niemand im Dorf hatte. So etwa die Zichorie für den „Muckefuck“, eine Art Kaffee. Für seine Zigarren hatte der Geistliche eine kleine Fläche mit Tabakpflanzen. Die Haushälterin trocknete die Blätter und rollte die Zigarren. Große Stauden blühten in üppiger Pracht. „Mit den abgeschnittenen Blumen wurde die Kirche geschmückt“, weiß Corinna Graunke.
Werner Müller aus Höxter schaut sich die Gute Stube im Haus eines wohlhabenden Ackerbürgers an. Eine Porzellankanne und Tassen stehen auf dem Mahagoni-Tisch, so als würde gleich der Muckefuck serviert. Das Gebäude wurde im Jahr 1730 erbaut – und zwar in Gütersloh. Es hat eine bewegte Geschichte: Den Grundstein legten Bauern, im 19. Jahrhundert zog dann die Branntweinbrennerfamilie Hoffbauer-Stahl in das repräsentative Heim an der Dalkestraße. In den 60er-Jahren war es dann Güterslohs Standesamt, bis es Anfang der 70er-Jahre abgerissen werden sollte. Das Freilichtmuseum sicherte sich das Haus und baute es zwischen 1982 und 1986 wieder auf.
Insgesamt finden sich in Detmold auf 80 Hektar Gesamtfläche 100 historische Häusern in verschiedenen Siedlungen, wie etwa dem Paderborner oder Sauerländer Dorf. Für die Besucher gibt es viel zu entdecken...
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