„Augen auf für die Nöte von Menschen“
In Rheda-Wiedenbrück diskutierten die Rolle der christlichen Wohlfahrtspflege (vorn v. l.) Professor Dr. Uwe Becker, Franz-Josef Strzalka, Dr. Ursula Pantenburg, Julia Schröder, Professor Dr. Peter Schallenberg und Domkapitular Dr. Thomas Witt sowie (hinten v. l.) Christoph Eikenbusch, Volker Brüggenjürgen und Pfarrdechant Reinhard Edeler.

Mit diesen und weiteren Fragen haben sich rund 40 Vorstände und Leitungskräfte der Caritas bei einer Tagung in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt. „Das caritative Handeln ist eine Lebensäußerung der Kirche. Das können wir nicht einfach lassen“, sagte Domkapitular Dr. Thomas Witt, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands Paderborn, der mit dem Verband für den Kreis Gütersloh eingeladen hatte.

Caritas-Vorstände diskutieren über christliche Wohlfahrtspflege

Immerhin seien aus der Sensibilität von Christen für die Not von Menschen die ersten sozialen Einrichtungen und im 19. Jahrhundert als Folge daraus der Sozialstaat entstanden. Deshalb müssten die christlichen Wohlfahrtsverbände weiter sensibel für die Nöte von Menschen sein und „die Augen aufhalten für Bereiche, die noch nicht sozialstaatlich abgedeckt sind“. Professor Dr. Peter Schallenberg, Moraltheologe der Theologischen Fakultät Paderborn, betonte die wichtige

Rolle der Freien Wohlfahrtspflege bei der Unterstützung des Sozialstaates. „Es braucht Strukturen des Gerechten, die solidarisch finanziert werden, unabhängig von religiöser Überzeugung“, sagte er. Aber die Freie Wohlfahrtspflege dürfe ihre eigene Philosophie haben. „Bei uns ist das die Theologie.“

„Ausgrenzungsprozesse erzeugen Verlierer“

Professor Dr. Uwe Becker, Sozialethiker der Evangelischen Hochschule in Bochum, stellte fest, dass die christliche Wohlfahrtspflege wie andere auch in sozialstaatliche Vorgaben und finanzielle Rahmenbedingungen eingebunden sei, „es sei denn, sie leben in einer reichen Diözese“. Aus theologischer Sicht seien auch Christen aufgefordert, „sich total auf diese Welt einzulassen“. Von daher forderte er „Mut, sich nicht unterscheiden zu wollen“, sich aber auch nicht „kritiklos das Säkulare anzueignen“.

Becker kritisierte in diesem Zusammenhang, dass staatlicherseits alles darauf abziele, „Menschen ökonomisch verwertbar zu machen“. Das erzeuge Ausgrenzungsprozesse und produziere Verlierer. Soziale Arbeit müsse dagegen Menschen in ihrem Selbstbewusstsein stärken.

Ökonomisierung der Arbeit drückt

Christliche Wohlfahrtsverbände müssten den Anspruch haben, aus dem christlichen Menschenbild einen Mehrwert zu bilden, sagte Dr. Ursula Pantenburg, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) Gütersloh. Allerdings sei es zunehmend schwieriger, christliche orientierte Mitarbeiter zu finden. Auf den zunehmenden Druck der Ökonomisierung sozialer Arbeit verwies Julia Schröder vom Caritasverband Hagen. „Christliche Maßstäbe“ bei allem Kostendruck forderte Volker Brüggenjürgen, Vorstand der Caritas Gütersloh, ein.

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