Bodendenkmal einzigartig in Westfalen
Auf dem Gelände des ehemaligen Schönhofs, heute An der Tiefe, ist vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Bodenerhebung geprüft und diese später von der Stadtverwaltung in die Denkmalliste eingetragen worden. In den Augen der Experten handelt es sich bei dem Hügel und dem darunter liegenden Material um ein Bodendenkmal, an dessen Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht.

Die Rede ist von drei Grabplatten an der Ostseite der evangelischen Stadtkirche in Rheda und einem Hügel auf dem ehemaligen Schönhof in Wiedenbrück. Sie sind unter Denkmalschutz gestellt worden.

Die drei Grabplatten waren ursprünglich einmal mit weiteren Exemplaren im Innern des Gotteshauses verortet. Im Rahmen der Instandsetzung der Kirche wurden sie abgenommen und auf der Vorburg des Schlosses eingemottet. Als 1983 der Sakralbau zum Denkmal wurde, fand allerdings keine Erfassung beziehungsweise Eintragung der Grabplatten statt. Erst später wurden sie dem Gemäuer zugeordnet und am heutigen Standort montiert. Seither bilden sie eine Einheit mit dem Gotteshaus. Sie erinnern an Gräfin Sophia Agnes Eleonore zu Bentheim-Tecklenburg, 1691 im Chor zu Grabe getragen, an Johannes von Bistram, Drost, zuvor Hofmeister, 1685 in der Kirche beigesetzt, und Johannes Schildius, Hof- und Stadtprediger, im Jahr 1686 ebenfalls dort beerdigt.

Auch der Hügel mit einem Durchmesser von annähernd 16 Metern und einer Höhe von rund 2,3 Metern auf dem Gelände des ehemaligen Schönhofs in Wiedenbrück, jetzt An der Tiefe, ist vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe geprüft und später von der Stadtverwaltung in die Denkmalliste eingetragen worden. Die Hügelschüttung erinnere als letzter topographischer Fixpunkt an die Südost-Ecke der alten Stadt Wiedenbrück, deren alte Grenze dort durch Baumaßnahmen der vergangenen Jahre immer weniger ablesbar geworden sei, heißt es in der Beschreibung der Verwaltung.

Die inzwischen mit archäologischen und archivalischen Mitteln geklärte Geschichte des Hügels sei bemerkenswert, haben Wissenschaftler herausgefunden: Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden an vielen Orten Befestigungen aufgegeben und in Parkanlagen umgewandelt. Ein bekanntes frühes Beispiel ist die Anlage der Promenade in Münster auf dem aufgegebenen Stadtwall. In kleinerem Maßstab und in privatem Rahmen unternahm der Kanoniker Harsewinkel zwischen 1763 und 1766 am Schönhof Ähnliches. „Die dabei gewählte Lösung, Wallreste in einen Zierhügel für die Gartenanlage zu verwandeln, ist nach bisherigem Wissensstand zumindest für Westfalen einmalig“, ist die Stadtverwaltung überzeugt.

SOCIAL BOOKMARKS