David Garrett, der Geigenrocker
Bild: Poetter
Geigenvirtuose David Garrett wusste mit rasantem Spiel 8000 Fans im Haller Gerry-Weber-Stadion zu verzaubern.
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 Zu Nirvanas kultiger Punk-Hymne „Smells Like Teen Spirit“ schlenderte er Violine spielend durch die Reihen, genoss das Bad in der Menge, bevor er die Bühne enterte, um es dort zu seiner sehr speziellen Bearbeitung von Beethovens 5. Sinfonie mit pyrotechnischen Effekten so richtig krachen zu lassen.

„Rock-Sinfonies“ heißt die Tour, mit der David Garrett samt Band und „Neuer Philharmonie Frankfurt“ die Stadien füllt. In der Haller Arena sind es 8000, in der Mehrheit weibliche Besucher, die den Virtuosen mit dem Rockmusiker-Nimbus erleben wollen.

Ein cooler Typ, der bei allen Generationen gleichermaßen gut an-kommt. Der 30-Jährige kultiviert sein Image als unkonventioneller „netter Junge von nebenan“ ganz bewusst. Zwischen den Stücken erzählt er Geschichten, die auch gut in die Serie „Pleiten, Pech und Pannen“ passen würden, zum Beispiel wie er in Chicago fast sein eigenes Konzert verpasst hätte, weil er beim Joggen die Orientierung verloren hatte. Ob die locker zum Besten gegebenen Anekdoten wahr sind oder nur gut ausgedacht: es menschelte.

 Musikalisch virtuos schlägt er dagegen den Bogen von Ravels „Bolero“, Albeniz‘ „Asturias“ und Debussys poetischem „Claire de Lune“ zu Mikis Theodorakis und seinem rasant zelebrierten „Zorba’s Dance“. Led Zeppelins „Kashmir“ reiht sich an „Master Of Puppets“ von Metallica. Crossover heißt hier das Zauberwort. Klassische Musik orientiert sich an einem Rockmusikkonzept, das auf Stücke setzt, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und Säle füllen.

Garretts Stradivari aus dem Jahre 1776 übernimmt bei diesen Arrangements den Vokalpart. Puristen kann man für diese Art der Interpretation sicherlich nicht begeistern, dem Publikum jedoch gefällt’s. Rockballaden, Garretts Hommage an Vivaldi und Michael Jackson, sein nach dem Motto „schnell, schneller, am schnellsten“ servierter Chardaz: Zum Niederknien. Garrett fiedelt, was das Zeug hält. Wie gut im Übrigen auch seine Band aufgestellt ist, zeigen die Musiker in packenden Soli. Toll: Schlagzeuger Jeff Lipstein.

 Als zum guten Schluss, quasi als musikalisches Sahnehäubchen, dann noch „Rocking All Over The World“ von Status Quo zelebriert wird, kommen auch die sonst eher zurückhaltenden Ostwestfalen aus der Reserve: Stehende Ovationen – und Schnee bei 30 Grad aus der Kanone.

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