Die Welt entdecken mit den Urban Sketchern
Bild: Pieper
Draußen, spontan, authentisch und gern auch in der Gruppe: So arbeiten die „Urban Sketcher“. Zur Gütersloher Gruppe der Stadtzeichner gehören (v. l.) Lutz Hesker, Birgit Peterschröder und Rolf Lütkemöller, die sich kürzlich im Gütersloher Stadtpark trafen – natürlich mit Skizzenblock
Bild: Pieper

 Und sie kommt still und leise, fast altertümlich daher: Mit Stift und Papier, mit besonderer Aufmerksamkeit für Stadt und Land und vor allem mit viel Empathie für die Menschen. Willkommen im Reich der „Urban Sketcher“.

Hinter den neuzeitlichen „Stadtzeichnern“ verbergen sich begeisterte Künstler. Professionell ausgebildete und auch solche, die hobbymäßig, aber nicht weniger ambitioniert mit Bleistift, Pinsel, Feder, Tusche und Farbe umzugehen wissen. Sie sind über Facebook weltweit vernetzt. Rund 50 000 Mitglieder gibt es schon, viele davon in Deutschland, etliche in Ostwestfalen, aktuell gut 20 im Kreis Gütersloh.

Das die kreative Community auch und gerade hier auf dem platten Land wächst, ist der agilen Rietberger Illustratorin und Grafikerin Birgit Peterschröder zu verdanken. In ihrem Heimatort wartet man nicht nur gespannt auf ihr Rietberg-Buch, das – wie die „Glocke“ berichtete – im Dezember erscheinen soll. Sie hat im April auch schon durch ihre Aktion 100 Männer, Frauen und Kinder in nur fünf Tagen zu zeichnen, auf sich aufmerksam gemacht. Danach lud sie über Facebook potenzielle Gleichgesinnte zu einem ersten Treffen ein.

 Für Lutz Hesker, Grafikdesigner und Artdirektor in der Gütersloher Medienfabrik, kam der Aufruf genau zur richtigen Zeit. Gezeichnet hat er immer schon gern. Im Lauf der Zeit hat der 50-Jährige – bei aller Kreativität im Job – aber verlernt, sich die Leidenschaft fürs Hobby zu bewahren. Als Urban Sketcher holte er sich mit dem konzentrierten Zeichnen ein Stück Lebensqualität zurück.

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

 Gern bannt er (Innen-)Architektur aufs Blatt, präzise, detailreich, akribisch. Und wenn er jetzt seinen Sohn zum Fußballplatz begleitet, nimmt er Stift und Skizzenblock auch mit, nutzt die Zeit am Spielfeldrand, um auf Papier festzuhalten, was er sieht. „Das ist wie eine Meditation und viel authentischer als jedes Foto, weil die Beschäftigung mit dem Moment intensiver ist. Diese Zufriedenheit kann kein Schnappschuss bringen. Das ist Seelenfutter“, sagt Hesker.

Mit wenigen Strichen viel zu erfassen, das ist es, was auch den 66-jährigen Rolf Lütkemöller fasziniert. Er war Drucker bei Arvato, genießt jetzt das Handwerkliche des Zeichnens bei gleichzeitiger künstlerischer Individualität, die jeder Urban Sketcher frei ausleben kann. Es macht ihm auch Spaß, in der Gruppe auf Motivjagd zu gehen. Ob bei „Freitag 18“ auf dem Dreiecksplatz oder beim Musikfestival an der Ostsee: Lütkemöller zeichnet die ganze Fülle und Vielfalt städtischen Lebens, das sich in Blick und Bewegung der Menschen widerspiegelt. Man muss es nur erkennen.

Genau das fordern – und fördern – die Urban Sketcher. „Wir lernen, wieder genauer hinzusehen, filtern das Wesentliche heraus“, sagt Birgit Peterschröder. Für sie ist Zeichnen „die Wiederentdeckung der Langsamkeit in einer viel zu schnelllebigen Zeit.“ Und das genießt sie nicht nur vor Ort, sondern gern auch bei deutschlandweiten Treffen wie jüngst in Eutin.

Jeder ist willkommen

Wer Lust hat, die Gütersloher Gruppe kennenzulernen, der sollte sich den 30. September vormerken. Dann treffen sich die Urban Sketcher um 16 Uhr auf dem Kolbeplatz vor Klingenthal. Interessenten sind immer willkommen. Nähere Infos gibt es auch per E-Mail unter info@birgitpeterschroeder.de

Den kompletten Artikel lesen Sie in der „Glocke“ vom 23. September.

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