Engel als Zeichen des Miteinanders
Bild: Dresmann
Das Projekt Engel der Kulturen hat in Rheda-Wiedenbrück seine Spuren hinterlassen.
Bild: Dresmann

 Zum Abschluss wurde eine Bodenintarsie vor dem Rhedaer Rathaus als bleibende Erinnerung installiert. „Wir haben festgestellt, dass es diese Bildhaftigkeit braucht“, betonte Gregor Merten. „Es wird viel über das Thema Integration gesprochen, doch Worte erreichen längst nicht so viele Menschen wie ein Symbol“, ist er sich sicher. Das Kunstwerk zum Projekt ist vielschichtig. Zentral ist der Engel als gemeinsames Zeichen aller drei europäischen Religionen. Dazu kommen mit dem Davidstern für das Judentum, dem Halbmond für den Islam und dem Kreuz für das Christentum Zeichen für die jeweiligen Glaubensrichtungen. Schon in mehr als 65 Städten sind die Künstler aus dem Rheinland mit ihrem Engel gewesen, „doch so viel Verbundenheit wie in Rheda-Wiedenbrück haben wir selten erlebt“, sagte Merten. Zahlreiche Vertreter von Rat, Verwaltung, Vereinen und Institutionen ließen es sich nicht nehmen, der Veranstaltung beizuwohnen. Außer NRW-Staatssekretär Thorsten Klute („Der ,Engel der Kulturen‘, der auf Versöhnen statt Spalten setzt, hinterlässt sichtbare Spuren“), sprach auch Guardian Martin Lütticke. Der Leiter des Franziskanerklosters Wiedenbrück erinnerte daran, dass es immer noch viele Orte auf der Welt gibt, an denen Menschen nicht in Freiheit und Frieden ihren Glauben leben können.

Symbol rollt durch die Stadt

„Gerade weil die Welt voller Rassismus und Hass ist, spüren wir, dass solche Projekte einfach notwendig sind“, unterstrich Künstler Gregor Merten. Zwar sei Rheda-Wiedenbrück mit seinen aus mehr als 100 Ländern stammenden Einwohnern nicht akut von Fremdenfeindlichkeit betroffen, doch gerade auch um das friedliche Zusammenleben der Menschen herauszustellen, mache der Engel halt an der Ems. „Dieses Projekt passt wunderbar zu uns“, stellte der städtische Integrationsbeauftragte Ernstjürgen Michaelis fest. Unter anderem seien alevitische und islamische Vereine in die Organisation des Tags eingebunden worden. Als unübersehbares Symbol wurde am Sonntagnachmittag der metallene „Engel der Kulturen“ in Übergröße durch die Stadt gerollt. Die massive Skulptur misst anderthalb Meter im Durchmesser und bringt 85 Kilogramm auf die Waage.

Dauerhafte Intarsie auf dem Rathausplatz

An verschiedenen Stationen wurde der Kulturengel mit feinem Sand ausgestreut und hinterließ dort, wenn auch nur zeitlich begrenzt, seinen Abdruck. Besonders symbolträchtig war dieser Akt an der Ecke Schlossstraße/Steinweg. Dort, wo bis zur Reichspogromnacht eine Synagoge stand, formten Gregor Merten und Carmen Dietrich ihren Sandengel direkt zwischen dem Gedenkstein und den frisch verlegten Stolpersteinen als Erinnerung an von den Nazis deportierte und ermordete Juden aus Rheda. Als bleibende Erinnerung wurde zum Abschluss der Aktion auf dem Rathausplatz eine Bodenintarsie installiert. Sie ist als Zeichen für ein tolerantes und friedliches Miteinander gedacht.

SOCIAL BOOKMARKS