„Das ist nun schon die vierte Möwe mit einem von Fett verklebten Gefieder, die in diesem Bereich gefunden worden ist“, sagt die Leiterin des Linteler Pferdeschutzhofs „Four Seasons“. Drei weitere Seevögel erholen sich zurzeit im Badezimmer der Familie Stracke. In den vergangenen zwei Wochen waren sie in der Nähe des Hauses am Sandweg aufgefunden worden – das Federkleid verkrustet mit einem Gemisch aus Lebensmittelfett, Fleischstücken und Blut („Die Glocke“ berichtete).
Mit Möwe Nummer vier wiederholt sich nun das erschütternde Bild. Vorbeikommende Lkw-Fahrer hatten sie an der Gütersloher Straße gesichtet und die Polizei verständigt, die wiederum Ina Schweikardt hinzuzog. „Der Vogel war mit Blut verschmiert und das ganze Gefieder voll mit Fett“, erinnert sich die Leiterin der Tierschutzeinrichtung. Fett, das aufgrund des starken Verwesungsgeruchs ihrer Meinung nach von Kadaverresten stammen muss.
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Den Vorwurf, das direkt angrenzende Fleischwerk Tönnies lagere Tierrückstände teils ungeschützt auf seinem Gelände, weist Josef Tillmann indes weiterhin klar von sich. „Die Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises Gütersloh hat sich selbst davon überzeugt, dass die entsprechenden Container geschlossen sind“, betont der Geschäftsführer.
Darüber hinaus habe man sich kürzlich im Rahmen eines Lebesmittelfachkongresses unter anderem mit dieser Angelegenheit auseinandergesetzt. „Da hat ein externer Sachverständiger das gesamte Außengelände mit Blick auf die vorschriftsmäßige Lagerung von Tierresten unter die Lupe genommen – mit einwandfreiem Ergebnis“, sagt Tillmann. Damit sei für ihn „das Thema ,Möwe‘ durch“.
Ina Schweikardt und Familie Stracke wird die Sorge um ihre Schützlinge dagegen noch eine Weile begleiten. Mindestens bis zum Wochenende. Dann fahren die vier Möwen, denen es Dank intensiver Pflege schon wieder deutlich besser geht, ihren ersten Flugstunden Richtung Auswilderung entgegen. „Die Wildtierstation Hamburg hat sich bereit erklärt, sich um die Möwen zu kümmern“, sagt Ina Schweikardt.
Die Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises Gütersloh ist den Vermutungen hinsichtlich der möglichen Ursache für das verfettete Gefieder der vier Möwen nachgegangen und hat das Fleischwerk Tönnies kontrolliert. „Wir haben das Außengrundstück untersucht und dabei weder verdreckte Vögel noch offen stehende Container mit Tierresten gefunden“, sagt Abteilungsleiter Dr. Bernhard Beneke. Auch halte Tönnies grundsätzlich die Vorschriften für eine sachgerechte Lagerung von tierischen Rückständen ein: Dazu gehöre neben sicher schließenden Deckeln für Behältnisse auch ein Zaun als Wildtierschutz.
Das Kreisveterinäramt stellt jeden Tag bis zu 25 Mitarbeiter pro Schicht ab, die bei Tönnies das Schlachten und Zerlegen der Tiere überwachen. „Natürlich sind diese Mitarbeiter aber überwiegend am Ort des Geschehens, also in der Anlage selbst beschäftigt“, informiert Dr. Beneke. Das Außengelände werde jedoch zusätzlich in unregelmäßigen Abständen begangen.
Die Stadt Rheda-Wiedenbrück sieht in dem Möwen-Fall keinen Handlungsbedarf. „Das Ordnungsamt ist informiert, die Angelegenheit fällt jedoch nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kollegen“, wie Pressesprecher Martin Pollklas mitteilte. Hier sei das Kreisveterinäramt gefragt.

