Luft nach oben auf dem Ausbildungsmarkt
Bild: Walkusch
Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch Luft nach oben. Darin waren sich bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen am Donnerstag (v. l.) Swen Binner (IHK), Thomas Richter (Agentur für Arbeit) und Dr. Jens Prager (Handwerkskammer).
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Auch wenn das Verhältnis von Bewerbern und Stellen im Kreis Gütersloh deutlich besser sei als in Bielefeld, so könne man noch nicht von einer entspannten Situation sprechen.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 1,2 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Die Zahl der Jugendlichen, die sich bei der Agentur für Arbeit um einen Ausbildungsplatz bemühten, sank ebenfalls um 1,2 Prozent. Zum Ende des Ausbildungsjahres waren noch 350 Bewerber unversorgt – 2,9 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Für diese Zahlen gebe es mehrere Gründe, sagte Richter. Da seien auf der einen Seite Unternehmen, die merkten, dass sie nicht schnell genug qualifizierten Nachwuchs bekämen und zum Teil deswegen auf Maschinen statt auf Mitarbeiter setzten. Auf der anderen Seite fingen immer mehr Jugendliche ein Studium statt einer Ausbildung an.

Um darzustellen, wie Angebote und Nachfrage in dem Bereich aussehen, wird die sogenannte Bewerberstellenrelation herangezogen. Ein Wert von 1 würde bedeuten, dass es genauso viele Stellen wie Bewerber gibt. Je höher der Wert liegt, desto besser gestalten sich die Chancen für die angehenden Auszubildenden.

Für 100 Bewerber braucht man idealerweise 115 bis 120 Stellen

In Bielefeld liegt die Quote bei gerade einmal 0,77. „Das ist nicht gut“, machte Richter deutlich. Der Kreis Gütersloh sei mit einer Zahl von 1,01 in diesem Bereich ebenfalls verbesserungswürdig. „Wenn man 100 Auszubildende hat, braucht man 115 bis 120 Stellen, da es ja auch nicht immer zu 100 Prozent passt“, sagte der Leiter der Arbeitsagentur. Auch bildeten längst nicht alle Betriebe aus. Im Kreis sind es gerade einmal 26 Prozent. Damit liegt er noch deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 22,4 Prozent.

Dass die Zahl insgesamt so niedrig sei, habe mehrere Gründe. Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL, erklärte, dass es auch viele Betriebe in seinem Bereich gebe, die aus lediglich einer Person bestünden und somit gar nicht ausbilden dürften.

Handwerk kann nicht klagen

Swen Binner von der Industrie- und Handelskammer (IHK) OWL ergänzte, dass es auch Unternehmen gebe, die als mehrere Firmen fungierten, aber nur als ein Betrieb ausbildeten. Dennoch könne die Zahl höher sein. „Da sind wir mit Unternehmen in Kontakt, vor allem mit denjenigen, die seit Kurzem keine Azubis mehr einstellen“, sagte er.

Am positivsten stellen sich die Ausbildungszahlen im Handwerk dar. Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL, sagte: „Wir eilen von Allzeithoch zu Allzeithoch.“

831 junge Menschen beginnen Ausbildung im Handwerk

Im Kreis Gütersloh wurden dieses Jahr 831 Ausbildungsverträge im Handwerk unterzeichnet. Das ist ein Zuwachs von 20,26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch in Bielefeld konnte man einen deutlichen Zuwachs (plus 19,29 Prozent) verzeichnen.

Nicht ganz so positiv waren die Zahlen, die Swen Binner, Geschäftsführer Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) OWL, vorlegte. So gab es bei den kaufmännischen Berufen zum Beispiel drei Prozent weniger Auszubildende im Kreis Gütersloh als im vergangenen Jahr. Das liege mitunter auch daran, dass die Zahl der Bankkaufleute, die in der Vergangenheit sehr hoch gewesen sei, zurückgehe. Bei den gewerblichen Berufen stieg die Zahl um 6,5 Prozent.

Die IHK wolle künftig daran arbeiten, die Attraktivität beruflicher Bildung zu steigern. Dabei wolle man mit Hochschulen kooperieren. Außerdem mache sich die IHK dafür stark, dass die Azubis ein ähnliches Bus- und Bahnticket wie die Studenten bekämen. So könnten die Nachwuchskräfte auch flexibler sein, was Ausbildungsstellen in anderen Orten angehe.

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