Roxette lassen Aura früherer Jahre vermissen
Bild: Steinecke
Respekt vor Marie Fredriksson, die sich, sichtlich gezeichnet von einer Krebstherapie, mit ihrem Partner Per Gessle auf Welt-Tournee begeben hat und sich auch in Halle nicht hinter Playback versteckte. Doch dem Konzert fehlte es durch die Bank an gut austariertem Sound und glanzvollen Momenten. 
Bild: Steinecke

Vor allem Marie Fredriksson hat seit 2010 noch einmal sichtlich abgebaut. Geschätzte 45 Kilogramm bringt die 53-Jährige noch auf die Waage. Im Jahr 2002 wurde ein Gehirntumor bei ihr diagnostiziert. Operation, Chemotherapie – die Frontfrau kämpfte gegen den Krebs. 2005 der erste Bühnenauftritt nach der Pause, 2006 neue Studioaufnahmen, 2009 das Comeback, 2011 das neue Album „Charm School“ und der Start einer Welt-Tournee zum 25-jährigen Bandbestehen.

Eine Stimme, rau wie Knäckebrot

Außerdem ist bereits ein neues Album in Planung. Warum tut Marie Fredriksson sich diesen Stress an? Mögliche Antwort: Weil niemand gern in Vergessenheit gerät, der einmal vom süßen Nektar des Bewundertwerdens genascht hat. Die Frontfrau von Roxette singt gegen das Vergessen, gegen die Krankheit und gegen ihre durch die Krebsbehandlung rau wie Knäckebrot gewordene Stimme. Am besten zu hören bei „Perfect Day“.

Für die Fans ist es trotzdem ein perfekter Tag mit ihren Stars. Schließlich schleppt das Schweden-Duo einen ganzen Kometenschweif an Hits hinter sich her. Da müssen nur die ersten Takte angestimmt werden und schon wird bei „Sleeping in my Car“, „How Do You Do“, „The Look“, „Joyride“ oder „Crash! Boom! Bang!“ begeistert mitgesungen. Ein Höhepunkt, als 7000 Kehlen „It Must Have Been Love“ anstimmen. Das sorgt nicht nur für eine wohlige Gänsehaut, sondern auch für eine Erholung der Ohren. Schicker Sound hört sich nämlich anders an als von Roxette an diesem Abend dargeboten. Das breiige Bassfundament kleistert sämtliche Mitten zu, und die viel zu steilen Höhen versuchen das auszugleichen.

Zwiespältiger Abend

Es blieb ein zwiespältiger Abend. Schöne Lieder ja, aber kein unbeschwerter Musikabend. Die ganze Atmosphäre mit der angeschlagenen Marie wirkte zu verkrampft. Die Songs des neuen Albums gerieten zur Nebensache; sie sind zu beliebig, weil zu sehr auf das geschrumpfte Stimmvolumen von Fredriksson ausgerichtet. Bei aller Hochachtung vor der Leistung nach einer solchen Krankheit und besonders vor der Ehrlichkeit, sich nicht hinter Playback zu verstecken – es fehlt einfach der Glanz.

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