Stalag 326 soll nationale Gedenkstätte werden
Zur konstituierenden Sitzung trafen sich die Mitglieder der Lenkungsgruppe zur Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock: (vorn v. l.) Staatssekretär Klaus Kaiser, Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Helga Lange (Die Grünen) und Landtagspräsident André Kuper sowie (hinten v. l.) der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht, Manfred Büngener und Oliver Nickel vom Förderverein der Gedenkstätte, Jürgen Heinrich, Geschäftsführer der Universitätsgesellschaft Bielefeld, Landrat Sven-Georg Adenauer, Wolfgang Günther vom Landeskirchlichen Archiv und Schloß Holte-Stukenbrocks Bürgermeister Hubert Erichlandwehr.

Um Stalag 326 zu einer Gedenkstätte von nationaler Bedeutung zu entwickeln, hat Landtagspräsident André Kuper (CDU) aus Rietberg eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen. Die konstituierende Sitzung des Gremiums fand jetzt im Rathaus von Schloß Holte-Stukenbrock statt. Im Stammlager – kurz Stalag – 326 wurden zwischen Sommer 1941 und Frühjahr 1945 vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene, aber auch Kriegsgefangene mit anderer Nationalität untergebracht. Zehntausende starben. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Standort von 1946 bis 1972 dem Sozialwerk Stukenbrock.

Unter der Leitung und Aufsicht des Sozialministeriums und mit Unterstützung der westfälischen Wohlfahrtsverbände wurden etwa 220 000 Vertriebene und Flüchtlinge, darunter rund 72 000 der 90 000 elternlosen Kinder, im Sozialwerk versorgt. Landtagspräsident André Kuper sagte: „In den vergangenen Jahren sind von unterschiedlichen Akteuren viele neue Impulse zu einer Weiterentwicklung der Gedenkstätte gegeben worden. Wir wollen diese Impulse bündeln, um Stalag 326 als bedeutende Erinnerungs-, Dokumentations- und Gedenkstätte zu erhalten, fortzuentwickeln und in die Zukunft zu führen. Die gegründete Lenkungsgruppe wird dafür die notwendige Koordinierung leisten und Denkanstöße zur künftigen Finanzierung geben.“

André Kuper: „Geschichte muss aufgearbeitet werden“

Die Lenkungsgruppe konnte sich bei der ersten Sitzung auf die Erarbeitung eines Konzepts einigen, das in einem Jahr stehen soll. Darüber hinaus verständigten sich die Akteure auf kurz-, mittel- und langfristige Ziele, um die Arbeit der Gedenkstätte und des Sozialwerks wissenschaftlich aufarbeiten und danach entwickeln zu können. Ein weiteres Resultat war die Festlegung eines wissenschaftlichen Symposiums, organisiert von der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stalag und der Lenkungsgruppe, an dem Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnehmen werden. Auch einen Workshop zur Aufbereitung der Geschichte des Sozialwerks wird es geben, um damit eine Basis für eine künftige Förderung zu haben.

„Die Geschichte von Stalag 326 muss aufgearbeitet werden, um die Gedenkstätte auch für kommende Generationen im Sinne der Bildung zu erhalten“, sagte Kuper. Aber auch die Geschichte des Sozialwerks Stukenbrock gelte es zu bewahren, weil damals Hunderttausende Menschen in die Region gekommen sind und aufgenommen wurden. „Der Besuch von Erinnerungs- und Gedenkstätten wird in Zeiten, in denen immer weniger Zeitzeugen über die Gräueltaten während der NS-Zeit berichten können, an Bedeutung zunehmen“, so Kuper.

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