Wasserfälle aus Wolle im Kreishaus
Bild: Pieper
Im Wasserfall aus Wolle: Textilkünstlerin Annie Fischer hat diese Installation eigens für das Gütersloher Kreishaus geschaffen.
Bild: Pieper

 „Tequila Sunrise“ nennt sie diese Wasserfälle aus Wolle – und sie möchte sie als „optischen Aperitif“ für ihre aktuelle Ausstellung „Objekte und Installationen“ goutiert wissen. Die Schau wird am Donnerstag, 6. Juni, um 18 Uhr im Foyer eröffnet.

 Es ist die erste von zwei Ausstellungen, die der Kreis in diesem Jahr in Kooperation mit dem Kreiskunstverein zeigt. Eine maßgeschneiderte Präsentation, denn ein Teil der Objekte hat Fischer speziell für die lichtdurchflutete, von Stahl und Glas beherrschte Architektur des

Annie Fischer ist 1967 in Detmold geboren. Von 1989 bis 1992 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bildweberin in verschiedenen Werkstatt-Praktika und Lehrgängen der Stoffdrucker- und Weberinnung in Kopenhagen. Dem schloss sich bis 1994 ein Studium in textiler Formgebung/Design an der dänischen Fachhochschule Haandarbejdets Fremmes Seminarium Kopenhagen an. Von 1995 bis 2004 studierte Fischer zudem Psychologie an der Universität Bielefeld, ab 1998 Textile Kultur in Haslach. Weiterbildung zur psychologischen Psychotherapeutin. Seit 2007 ist sie freischaffende Künstlerin.
Hauses geschaffen. Die experimentierfreudige Künstlerin näht und webt, knüpft, knotet und stickt. Dabei verarbeitet sie aber nicht nur Textiles, auch Draht, Kunststoff und Papier finden Verwendung. In allen Objekten und Installationen geht es ihr darum, die Möglichkeiten des Materials bis an jede erdenkliche – oder auch noch nicht bedachte – Grenze auszuloten, es aus seinem normalen Kontext zu lösen, um ungewöhnliche Perspektiven zu schaffen und polarisierende Emotionen auszulösen.

So steht man staunend vor ihren 100 Pusteblumen: filigran verknüpfte Kabelbinder-Blüten, die auf langen Stäben über Pflastersteinen schweben und Leichtigkeit suggerieren. Ein visueller Schwanengesang auf die Baumarkt-Nomenklatur.

Vis-à-vis reihen sich einige Schneiderpuppen. Verschnürte, von Stecknadeln gepiesackte, von Nägeln und Stacheldraht taillierte Ikonen einer zweifelhaften Schönheitsindustrie. „Immer noch verbringen zu viele Frauen kostbare Lebenszeit damit, einem falschen Schönheitsideal hinterherzuhecheln“, erklärt Fischer ihren figurbetonten Protest.

Vernissage: Die Ausstellung „Annie Fischer – Objekte und Installationen“ wird am  Donnerstag, 6. Juni,  um 18 Uhr im Foyer des Gütersloher Kreishauses, Herzebrocker Straße 140, durch die stellvertretende Landrätin Elke Hardiek eröffnet. Die Dramaturgin Dr. Cordula Fink-Schürmann wird eine Einführung in die Werke geben. Zu sehen ist die Schau bis Donnerstag, 4. Juli. Öffnungszeiten : Das Gütersloher Kreishaus ist montags, dienstags und mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet, donnerstags von 8 bis 17.30 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr.

 Es sind die Gegensätze, die ihre Werke so stimmig machen. Hauchdünne Kimonos in großzügigem Wohlfühlschnitt fertigt sie aus scharfkantigem Industriedraht. Aus zartem Kunststoffgewebe lässt sie stacheliges Rosshaar wachsen. Und gezwirbeltes Papiergarn schraubt sich bei ihr aus grauen Schläuchen, um sich zu einer „Novemberwiese“ zu verdichten. Poesie trifft Provokation. Deshalb muss sich auch niemand über jenes Sportgerät wundern, das über und über mit Infusionsschläuchen behangen im Kreishaus steht. „Das Pferd ist tot“ lautet der lapidare Titel. Selbst in der ironischen Konfrontation von Fitness und Krankheit zeigt sich Fischer sattelfest.

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