25 Jahre Stadtmuseum  Gütersloh
Bild: Pieper
Vermissen die örtliche Wertschätzung für das Gütersloher Stadtmuseum und der darin geleisteten Arbeit: Museumsleiter Dr. Rolf Westheider und Renate Horsmann, Vorsitzende des Heimatsvereins.
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Aber: Jeder Besucher, der sich am Mittwoch, 12. Juni, beim „offenen Nachmittag“ ab 15 Uhr bei Führungen und Klön an die Eröffnung des Backsteinhauses vor genau einem Vierteljahrhundert erinnern möchte, bekommt ein Stück Jubiläumskuchen. Immerhin.

Im Gespräch mit der „Glocke“ erörterten Museumsleiter Dr. Rolf Westheider und Renate Horsmann als Vorsitzende des museumstragenden Heimatvereins Entwicklungen, aktuelle Befindlichkeiten und Perspektiven.

„Die Glocke“: Was unterscheidet das heutige Stadtmuseum von der 1988 eröffneten Einrichtung?

 Westheider: Wir spiegeln einen gesellschaftlichen Wandel wider. Heute verstehen wir uns als eine vielseitige Bildungseinrichtung. Unser Gründungsanspruch galt dem Bewahren und Sammeln.

Horsmann: Was wir mit einer ungeheuren Intensität getan haben. Nicht zuletzt, weil uns die Gütersloher auch sehr, sehr viele Objekte brachten, die sie gesichert sehen wollten.

 Westheider: Das aber führte dazu, dass die Magazinierung des Sammlungsbestands heute bei all den kommunalen Kürzungen zur größten finanziellen Belastung und damit zur Existenzfrage fürs Museum geworden ist.

 „Die Glocke“: Worin ist der von ihnen angesprochene Wandel begründet?

Westheider: In unterschiedlichen Wellen historischen Interesses. In den 80er-Jahren wurde man sich seiner Ursprünge bewusst. Die galt es zu bewahren und zu erforschen. Aus diesem Grund wurden überall Kultureinrichtungen wie Archive, Bibliotheken und eben Museen geschaffen. Auch in Gütersloh. Selbst die Weberei zeugt von diesem Bewusstsein. Heute ist dieses Interesse nahezu wieder bei null gelandet. Entsprechend mangelt es an Wertschätzung gegenüber den Einrichtungen und der dort geleisteten Arbeit. Und das ist gefährlich.

„Die Glocke“: Was ist zu tun?

Westheider: Durchhalten, auf die nächste Welle warten und den gesellschaftlichen Wandel bis dahin kreativ begleiten.

Vom Verlust ideeller und materieller Zuwendung

„Die Glocke“: Wie setzen Sie das in die Tat um?

Westheider: Wir erproben neue Veranstaltungsformen jenseits des ohnehin gut laufenden Kindergeburtstags im Museum. Wir spielen unsere Besonderheiten aus, gehen mit unseren Beständen nach draußen. So finden sich beispielsweise unsere historischen Rollstühle auf Gesundheitsfachmessen wieder. Wir bieten Dienstleistungen für andere Einrichtungen bei historischen Ausstellungen an. Wir erarbeiten mit Lehrern des Städtischen Gymnasiums Unterrichtseinheiten zur heimischen Industriegeschichte. Am ersten Juli-Wochenende findet hier ein medizingeschichtliches Symposium mit Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet statt. Im Herbst werden wir die Schau „Schlumper im Gütersloh“ zeigen mit künstlerischen Arbeiten behinderter Menschen aus dem Hamburger Stadtteil Schlump. Wir öffnen uns, eben weil wir die Notwendigkeit steter Veränderung einsehen.

 Horsmann: Deshalb sind uns auch die Sonderausstellungen mit bürgernahen und publikumsträchtigen Themen wichtig.

Westheider: Museen müssen heute kommunikative Treffpunkte sein. Wir können dabei von der ungeheuren Quartiersentwicklung profitieren, die in den vergangenen Jahren stattgefunden hat: Vom Hinterhof-Image zu einem rundum tollen Ambiente mit ansprechender Gastronomie. Das sichert den Wohlfühlcharakter.

„Die Glocke“: Auch die Besucherzahlen?

Westheider: Wir arbeiten in dem Bewusstsein, nicht die Massen zu erreichen, sondern durch Qualität zufriedene Besucher zu bekommen.

„Die Glocke“: Womit können Sie punkten?

Westheider: Wir vermitteln sinnliche Eindrücke. Wenn die Leute genug auf ihren Handys gedaddelt haben, wird Ursprüngliches wieder spannend. Je größer die virtuelle Reizüberflutung, umso wertvoller erscheint das handwerkliche Unikat aus früherer Zeit. Darüber wissen wir etwas zu erzählen. Das fesselt. Wir setzen Narratives gegen Touchscreen – ohne aber auf einen zeitgemäßen Internet- und Facebook-Auftritt zu verzichten.

 „Die Glocke“: Was wünschen Sie sich zum 25-Jährigen?

 Horsmann: Dass jeder Gütersloher einmal im Jahr ins Stadtmuseum geht.

 Westheider: Ganz konkret: Es wäre schön, wenn wir Geld hätten, um Texte zur Sammlung MP3-Player-fähig für Smartphones aufzunehmen. Das käme gut bei Führungen. Richtig wichtig ist etwas anderes: Wir müssen den Verlust ideeller und materieller Zuwendung kompensieren. Deswegen haben wir uns auch so über die 10 000-Euro-Spende der Bürgerstiftung gefreut. Wir arbeiten im Auftrag der Stadt und das dank des ehrenamtlichen Engagements des Heimatvereins auch noch kostengünstig. Das wäre schon eine größere politische Unterstützung wert.

Den kompletten Bericht lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 12. Juni.

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