Aleviten hungern gegen Verfolgung
Bild: Reckeweg
Hungerstreik im alevitischen Zentrum: Im Vordergrund steht der Vorsitzende Hasan Akpinar, im Hintergrund sitzen einige der 15 „Dauerstreiker“. Andere wollten sich aus gesundheitlichen Gründen nur einen Tag beteiligen.
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 „Wir fordern das sofortige Ende der Angriffe von Armee, Polizei und Spezialkräften auf die Menschen im kurdischen Südosten der Türkei“, verkündete Hasan Akpinar, Vorsitzender des Vereins, am Samstag. Mehr als 300 Zivilisten seien dem staatlichen Terror in der Türkei bereits zum Opfer gefallen, mindestens 50 seien Kinder, so Akpinar.

Die in den Hungerstreik getretenen Aleviten hatten in ihrem Raum Informationsmaterial und Fotos aufgehängt, die Kinder und Erwachsene zeigen sollten, die von Anschlägen in der Türkei getroffen worden seien. Außerdem hatten Vereinsmitglieder mehrere Plakate gemalt. „Heute sind wir hier und haben Hungerstreik, damit die Menschen nicht sterben“, war auf einem davon zu lesen.

Akpinar fuhr fort: „Wir haben Zustände wie in Syrien. Das Problem ist aber, dass in der Türkei keiner darüber berichten darf.“ Weiter erhebt der Verein schwere Vorwürfe gegen die Politik in Berlin: „Hierzulande sprechen die Regierung und die meisten Medien von einem Kampf zwischen der türkischen Regierung und der PKK. Da die PKK als terroristische Organisation gilt, kann die Bundesregierung ihre bedingungslose Unterstützung des türkischen Regimes aufrechterhalten“, so Akpinar. Die deutsche Regierung unterstütze die Türkei mit Waffenlieferungen, obwohl man wisse, das Erdogan mit dem Islamischen Staat sympathisiere, entrüstet sich Akpinar.

„Was sich aktuell in der Türkei abspielt, das ist Kriegszustand.“ Weiter sieht der Verein eine Gefährdung für Deutschland und bezieht sich auf den Anschlag in Istanbul, bei dem zehn Touristen einer deutschen Reisegruppe getötet wurden. Die Ereignisse zeigten, dass niemand vor Terror geschützt sei. „Wir sehen diesen Anschlag sehr kritisch und haben Sorge, dass so etwas auch in Deutschland passieren könnte“, erklärte Akpinar. Die Bundesregierung sei in der Verantwortung, die Unterstützung des türkischen Regimes zu stoppen und die Türkei unter Druck zu setzen.

„In einem Dorf lebten vor kurzem noch 30 000 Menschen, jetzt sind es nur noch 5000“, berichtete Akpinar. „Diese Menschen sind auf der Flucht und sie werden den Weg nach Europa suchen. Wir wollen kein zweites Syrien und wir wollen keine zweite Flüchtlingswelle“, so der Vorsitzende. Vor allem aber wolle man ein Ende der Kämpfe, eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Kurden und ein Ende der Unterstützung des türkischen Regimes, das nur mit Bomben, Blut und Hass lebe. Damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben können – ohne Bedrohung ihres Lebens.

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