Bachchor begeistert mit großer Festmusik
Bild: Kreyer
Wussten das Publikum in der Martin-Luther-Kirche mitzureißen: Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann und der Bachchor sowie das Barockorchester „L’arte del mondo“ am Dienstag in der Martin-Luther-Kirche.
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 Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ gilt in seiner kämpferischen Sprache und fanfarenartigen Melodie als das Reformationslied schlechthin – ein überzeitliches Glaubenszeugnis. Johann Sebastian Bachs gleichnamige Kantate für Soli, Chor und Orchester BWV 80 wurde zum Inbegriff Bachscher vokaler Kirchenmusik. Die Kantate beginnt mit einem grandiosen, feierlichen Eingangssatz, mit dem der Chor in großer Klangästhetik von Anfang an eine religiöse Aura aufzubauen vermag. Als Duett zwischen Sopran und Bass angelegt, geschmeidig von Violinen, Bratschen und Solo-Oboe getragen, folgt die „feste Burg“. Welch ein Klang der Macht und Herrlichkeit! In Arien, Duetten und Rezitativen steigert sich die Stimmung von schwingenden Kantilenen, wunderschönem Terzengleichklang bis hin zu abgrundtiefer Todeschromatik. Ergreifend erklingt die letzte Choralstrophe, und Professor Rolf Wischnath tritt ans Rednerpult. Voller Inbrunst bricht es aus ihm heraus: „Wenn doch die letzte Strophe nicht wäre.“ Denn Reformation heißt Erneuerung und nicht mahnend poltern gegen andere Geister. Seinem Wunsch folgt der Bachchor und singt daraufhin innig „Preis, Ehr und Lob dem höchsten Gott“ aus Johann Pachelbels 150 Jahre später komponierter Motette über den Psalm 46. Zur gleichen Zeit hat Zelenka seine Vertonung des Messordinariums geschrieben, die frisch mit einem famos artikulierenden Orchester beginnt. Wohltuend klingt das barocke Musizieren, in dem sich die Musiker der Herausforderung des rhythmisch pochenden Metrums impulsiv markant hingeben. Und Sigmund Bothmann packt die schwierige Partitur mit Verve an und kristallisiert Zelenkas eigenwillige, harmonische Kühnheiten und Dissonanzen spannend heraus. Glänzend gelingt dem Bachchor auch in den aufwühlendsten und aufreibendsten Phasen eine ausbalancierte und durchsichtige Artikulation. Erwärmende Kontraste bildete das vorzügliche Solistenquartett: Melanie Hirsch, die anfangs zögerlich wirkte, mit wandlungsfähigem, berückend strahlendem Sopran und Bettina Pieck mit hoch sensiblem, warmen Alt. Ebenso gefielen Fabian Kuhnen, der mit sonorer, voller Bassstimme den erkrankten Christopher Jung vertrat, und Joo-Hoon Shin mit vortrefflich klarem und hellem Tenor. Insgesamt bot das Festtagskonzert eine grandiose, atemberaubende Leistung, die aufs Neue zeigte, welch ungeheures Potential im Bachchor unter der Leitung von Sigmund Bothmann.

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