Bei Spielsucht hilft nur völlige Abstinenz
Bild: Kottmann
Experten für Verhaltenssüchte: (v. l.) Christian Groß (Suchttherapeut der Bernhard Salzmann-Klinik), Dr. Klaus Wölfling, Dr. Detlef Scholz (Vorsitzender des Fachverbands Medienabhängigkeit), Ulrike Dickenhorst, Dr. Ulrich Kemper und Arne Rüger von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW freuen sich über eine gelungene Fachtagung.
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All diese Fragen waren Gegenstand der diesjährigen Fachtagung zum Thema Verhaltenssüchte der Berhard-Salzmann-Klinik in Gütersloh. An die Tagung schloss sich das achte Symposium des bundesweiten Fachverbands Medienabhängigkeit im LWL-Klinikum an. Jeweils 170 Fachleute, Experten und Interessenten nahmen an den Veranstaltungen teil.

Bevor besorgte Eltern nun hektisch zum Psychologen eilen, weil ihr Kind das Smartphone kaum noch aus der Hand legt, gibt Dr. Klaus Wölfling, Psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz, Entwarnung: „Von Sucht spricht man erst bei einem Kontrollverlust und konkreten Entzugssymptomen.“ Wenn ein Betroffener seine sozialen Kontakte gänzlich vernachlässige und auch die berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben könne, dann erst sei ein Zustand der Sucht erreicht.

Dennoch betont Dr. Ulrich Kemper, Chefarzt des Zentrums für Suchtmedizin am LWL-Klinikum Gütersloh: „Nur weil man nicht süchtig ist, heißt es nicht, dass man nicht über sein Verhalten nachdenken sollte.“ Denn der Übergang zur Sucht ist fließend.

Medienabhängigkeit ist eine Form der Verhaltenssucht, die erst mit Entwicklung der technischen Medien in den vergangenen zehn Jahren entstanden ist. Laut dem ICD, einer internationalen Klassifikation von Krankheiten, ist sie daher bisher nicht als offizielle Krankheit anerkannt. „Das ändert sich aber nächstes Jahr“, erklärt Wölfling.

Anders ist es mit der pathologischen Spielsucht, die bereits als Krankheit anerkannt ist, und ebenfalls mit dem Internet immer populärer wurde. „Bei beiden ist eine vollkommene Abstinenz die einzig wirksame Therapie“, weiß Ulrike Dickenhorst, Therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik. Das sei bei Medien schwer möglich, so dass selektiv der betreffende Suchtbereich wie Online-Pornografie oder Computerspiele zu meiden seien. Das Problem der steigenden Fallzahl der Verhaltenssucht in diesen Bereichen sieht Wölfling in der Konzeption der heutigen Angebote: „Die ökonomischen Interessen und der Spielerschutz widersprechen sich. Denn bei allen Online-Angeboten soll vor allem der Suchtfaktor erhöht werden.“

Erste Informationen zur Medienabhängigkeit und Spielsucht gibt es auch im Internet unter wwww.fv-medienabhaengigkeit.de oder www.gluecksspielsucht-nrw.de

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