Briten wollen Flughafen 2016 räumen
Bild: Dünhölter
Auch die Heeresflieger werden Gütersloh bis Ende 2016 verlassen und in Yeovilton in Großbritannien mit dem 9. Regiment Army Air Corps zusammengelegt.
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Zweieinhalb Jahre nach der ersten Bekanntgabe der Abzugspläne herrscht nun auch für Gütersloh Gewissheit: Die Kasernen werden tatsächlich geschlossen, und das sogar noch vor 2018, wie es zuletzt vermutet worden war. Die Liegenschaften fallen dann zunächst an den Bund zurück.

An der Marienfelder Straße sind derzeit noch rund 2500 Soldaten stationiert. Sie sollen nach und nach bis 2016 in ihre Heimat zurückkehren. Die Kaserne an der Verler Straße, wo auch die Kings School beheimatet ist, soll noch etwas länger genutzt werden. Dort ist das 26. Artillery Regiment mit rund 500 Soldaten untergebracht. Eine Sprecherin der Streitkräfte sagte, kleine Veränderungen seien möglich, weil das Geld für die Abzugspläne noch bereitgestellt werden müsse.

Unmittelbar bei den Briten beschäftigt sind an der Marienfelder Straße noch 205 Zivilisten, an der Verler Straße noch 44. Eine größere Zahl von Beschäftigten war schon 2011 in die Babcock Support Services GmbH ausgegliedert worden. Die Streitkräfte würden sich weiter um Umschulungen oder Maßnahmen zur sozialen Sicherung bemühen, hieß es am Dienstag.

Konzept für die Nachnutzung

Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) erklärte, es „zahlt sich nun aus, dass wir frühzeitig angefangen haben, uns auf einen Abzug einzustellen“. Sie verwies auf das Grobkonzept für die Nachnutzung des Flughafens, das am Montag im Hauptausschuss diskutiert werden soll (17 Uhr, Ratssaal). Wie berichtet, sieht es für die rund 340 Hektar eine Kombination aus Gewerbeflächen, Flächen für den Naturschutz, für regenerative Energien und zur Freizeitgestaltung vor. Der Flughafenstatus, der ein Hindernis für die weitere Entwicklung wäre und an dem in der Stadt Gütersloh ohnehin niemand festhalten will, entfällt mit dem Abzug der Briten.

Bis 2016 sei nicht mehr lange Zeit und das Tempo müsse auf allen Ebenen angezogen werden, erklärte Unger weiter: „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Gewerbe- und andere Flächen auf dem Flughafen, für die rund 1000 Wohnungen und die 37 Hektar der Mansergh Barracks an der Verler Straße.“

Für den 8. April will die Bürgermeisterin die Oberhäupter der betroffenen Standorte in NRW, den Celler Oberbürgermeister als Sprecher der Kommunen in Niedersachsen sowie den Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland, Generalmajor John Henderson, zum Gespräch nach Gütersloh einladen. Es gelte, ein Netzwerk für den Konversionsprozess zu bilden.

„Chancen nutzen“

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) erklärte: „Ich finde es gut, dass endlich Klarheit darüber besteht, wann die im Kreis Gütersloh stationierten britischen Streitkräfte nach Großbritannien zurückkehren. Das ist aus meiner Sicht auf der einen Seite bedauerlich, denn wenn Freunde gehen, dann tut das immer weh. Auf der anderen Seite ergeben sich daraus aber auch Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts.“ Das betreffe insbesondere das Gelände des Flughafens an der Marienfelder Straße. Adenauer: „Die Chance zur Entwicklung von Gewerbeflächen kombiniert mit anderen Nutzungen sollten wir uns nicht entgehen lassen.“

Der Kreis hatte als untere Landschaftsbehörde bereits eine Altlastenuntersuchung auf dem Flughafengelände veranlasst. Die Stadt will nach Angaben von Maria Unger ein „Branchen- und Marktprofil“ erstellen lassen. Es werde in den kommenden Monaten konkrete Aussagen über den Bedarf von Industrie und Gewerbe liefern, was sich auf dem Flugplatz ansiedeln lasse.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Brandner begrüßte die Bekanntgabe der genauen Pläne durch die Briten. „Damit gibt es Klarheit für die vor Ort zu gehenden Schritte.“ Insbesondere für die weitere Gewerbeflächenentwicklung in der Kreisstadt ergäben sich gute Perspektiven. Allerdings gebe es für die Absicherung der zahlreichen zivilen Beschäftigten keine klaren Aussagen, erklärte Brandner. „Die Erwartung ist, dass der Tarifvertrag Soziale Sicherung für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen Anwendung findet.“

Was die Region verliert

Außer den Flächen und den Wohnungen, die mit dem Wegzug der Streitkräfte frei werden, ergeben sich noch andere Folgen für die Region. Allein die Kaufkraft der Briten wird auf 100 Millionen Euro jährlich beziffert. Außerdem sind die Streitkräfte ein wichtiger Auftraggeber für das heimische Handwerk. So wird an der Marienfelder Straße noch in diesen Tagen gebaut. Viele Gebäude wie der Naafi-Shop sind erst in den vergangenen zehn Jahren errichtet worden.

Es steht auch fest, wohin die Soldaten aus den beiden Gütersloher Kasernen verlegt werden. Princess Royal Barracks: Wie schon berichtet, werden die Heeresflieger (1 Regiment Army Air Corps) nach Yeovilton in Großbritannien verlegt und dort mit dem 9 Regiment Army Air Corps zusammengelegt. Das Hauptquartier der 102. Logistik-Brigade zieht nach Grantham. Das 1. Logistic Support Regiment siedelt nach Beicester über. Das 2. Logistic Support Regiment wird aufgelöst. Das 6. Transport Regiment wird nach Dishforth verlegt. Mansergh Barracks: Das 26. Artillery Regiment wird nach Larkhill verlegt.

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