Der Reiz des Besonderen im Alltäglichen
Bild: Daub
Dinge des Alltags sind das Thema der Künstlerin Beate Freier-Bongaertz. Wie weit ihr kreativer Umgang mit Wegwerfmaterial geht, zeigt die aktuelle Ausstellung im Gütersloher Kreishaus, wo auch diese Papierrollen mit Schneekugeln zu „Tagträumen“ werden.
Bild: Daub

 Das Mini-Exponat ist Teil ihrer ziemlich witzigen Ausstellung „Alltagsdiversitäten“, die ab heute im Kreishaus Gütersloh eine unerwartet große Formenvielfalt unseres Lebens widerspiegelt. Die rund 200 Exponate verraten zudem viel vom hintergründigen Humor der Grafikdesignerin und Künstlerin, die in Wanne-Eikel geboren wurde, in Verl ansässig ist und dort sowie in der Borgholzhausener Ateliergemeinschaft „Dauntown“ arbeitet.

Vernissage: Die Ausstellung „Alltagsdiversitäten“ wird am  Donnerstag, 9.Okotber, um 18 Uhr durch Landrat Sven-Georg Adenauer im Kreishaus Gütersloh, Herzebrocker Straße 140, eröffnet. Zur Vernissage ist eine Performance von Anna Bella Eschengerd zu sehen.

Öffnungszeiten: Die Schau ist bis zum 8. Dezember montags, dienstags und mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 8 bis 17.30 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr geöffnet.  

 200 Exponate, die hinlänglich bekannte Alltagsobjekte performativ bespielen, die die Lust der zweiten Vorsitzenden des Kreiskunstvereins am Experiment thematisieren. Dabei konzentriert sich Freier-Bongaertz gern auf eine unbeachtete „Konsumnische“: den Umgang mit Werbemitteln und Verpackungen. Die Künstlerin lässt ihrer Affinität zu Wegwerfmaterialien freien Lauf: Livio-Öl-Etiketten dreht sie so auf den Kopf, dass sie die Röcke dreier Mädchen bilden. Ein McDonalds-Hinweis wird zum Hummer-Bild. Kuchenverpackungen verformen sich zu Kaffeeklatsch- und Tischidyllen. „Der Betrachter soll herausfinden, was Original und was Gezeichnetes ist“, lockt die Künstlerin.

Da ist im Kreishaus-Forum ein kleines Wohnzimmer-Arrangement mit Mobiliar aus den 1950er-Jahren nebst Reiseszenen, die in Holzbeize-Farben mit Acryltupfern auf Pappe gemalt wurden, aufgebaut. Lettische Spielkarten hat sie pyramidal-transparent auf drei „Glocke“-Zeitungshalter mit der Aufschrift „Heimat“ so platziert, dass sie ein Hausfloß bilden. Der Text der krakeligen Beschriftung stammt aus Peter Handkes Gedicht „Über die Dörfer“.

 Ins Blickfeld des Betrachters drängt sich eine Pappröhren-Sammlung. Die rund 80 fragilen Stelen sehen zwar wie Riesenstreichhölzer aus, doch den Kopf bilden Schneekugeln mit Karikaturen und werden so zu „Tagträumen“. Gleich nebenan bitten farbig gebeizte Würfel der Serie „Zeus Affairs“ um Aufmerksamkeit. Freier-Bongaertz gibt auf 20 mal 20 Zentimeter großen Faserplatten Einblicke in die griechische Mythologie: Der verliebte Pan verwandelt seine angebetete Nymphe erst in rauschendes Schilf, danach in eine Flöte. Zeus entführt in der Gestalt des Stiers die schöne Europa und Dionysos treibt sein weinreiches Unwesen. Weitere Hexaeder, die mit jeder Drehung neue Motive offenbaren, sind in der Ausstellung „Alltagsdiversitäten“, die in Kooperation mit dem Kreiskunstverein entstand, präsent.

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