Donizettis hinreißende Regimentstochter
 Umgarntes Findelkind: Sooyeon Lee sang die Titelpartie der Marie in Donizettis Oper „La Fille du Règiment“, die in einer unkonventionellen Inszenierung des Oldenburgisches Staatstheaters im Theater Gütersloh zu sehen war. Bild: Kirschner

Umgarntes Findelkind: Sooyeon Lee sang die Titelpartie der Marie in Donizettis Oper „La Fille du Règiment“, die in einer unkonventionellen Inszenierung des Oldenburgisches Staatstheaters im Theater Gütersloh zu sehen war.

Bild: Kirschner

 Einen Abend voll beschwingter Heiterkeit präsentierte das exzellente und spielfreudige Ensemble des Oldenburgischen Staatstheaters mit Gaetano Donizettis komischer Oper „La Fille du Régiment“. Viel zu selten wird die zweiaktige Oper, die Regisseur Felix Schrödinger jetzt ins Theater Gütersloh brachte, aufgeführt. Dabei entwickelte sich die „Regimentstochter“ von einer zunächst konzertanten zu einer halbszenischen Aufführung.

Kaum war die tempo- und farbenreiche Ouvertüre vom bestens aufgestellten Staatsorchester unter der Leitung von Carlos Vázquez verklungen, nuschelte der extrem gelangweilt wirkende Erzähler Stefan Vitu über die beginnende Handlung. Anfangs etwas irritiert, verstand der Zuschauer schnell: Humorvoll wird es weitergehen in dieser Geschichte um das Findelkind Marie (Sooyeon Lee). Es wächst als Liebling des Regiments auf, umsorgt vom Feldwebel Sulpice (Ill-Hoon Choung), und verliebt sich in den Tiroler Tonio (Philipp Kapeller). Alles könnte so schön sein, wenn nicht plötzlich die Mutter, Marquise de Berkenfield (stark: Hagar Sharvit), auftauchen würde, um die Tochter standesgemäß adelig zu vermählen.

Fast zu schnell vergingen die zwei Stunden mit den volkstümlich und melodisch schmeichelnden Arien, mit einem gesanglich und spielerisch beeindruckenden Soldatenchor, der bei Bier und Marshmallows am Lagerfeuer herzergreifend sang, und den durchweg bewundernswerten Solisten. Allen voran das Liebespaar: die südkoreanische Sopranistin Sooyeon Lee, die sich mal im bonbonfarbenen Rüschchenkleid, mal im flotten Soldatenrock mühelos und strahlend durch die verflixt schweren Koloraturen in die Höhe sang. Der ebenso schauspielerisch großartige Tenor Philipp Kapeller als verführerischer Junge in Trachtenlederhose, meisterte mit beachtlicher Brillanz die Hürde der berühmten neun hohen Cs in „Ah! Mes amis“. Als gesanglich ebenbürtige Partner blieben Ill-Hoon Choung als Sulpice und Aarne Pelkonen als Hortensius immer treu an der Seite der Marquise.

Da wundert es nicht, dass diese „Regimentstochter“ allein im Uraufführungsjahr 1840 mehr als 50 Vorstellungen erfuhr. Auch im Theater Gütersloh erlebte man einen musikalisch wie mimisch grandiosen Abend – eingebettet in ein gelungen-sparsames Bühnenbild und herrliche Kostüme (Josefine Smid).

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