Dornröschen mit Randale wachgeküsst
„Dornröschen forever!“: Szene aus der Neuinszenierung des beliebten Grimm-Märchens, die jetzt im Theater Gütersloh Premiere feierte.

Das von den Brüdern Grimm aufgezeichnete alte Volksmärchen glänzt in neuem, aktuellem Gewand – mit Rockmusik, Anspielungen aufs Internet und Bezügen zur allgemeinen Weltlage. Schäfer hat die Vorlage kräftig entstaubt und eine fröhliche, lustige Komödie daraus entwickelt. Die Schauspieler leisten Schwerarbeit. Fünf Darsteller schlüpfen für 14 Rollen in immer neue Kostüme. Der König ist schusselig, die Königin cool, die Amme eine Schnapsdrossel.

Die flotten Dialoge begeistern, die Handlungen sind salopp und alltagsnah. Da fährt das Königspaar (Nils Willers und Stephanie Pardula) zum Shoppen mal eben nach Düsseldorf. Die Spindeln wandern in den Sperrmüll. Und Dornröschen (burschikos in Boots: Wenja Imlau), inzwischen ein wildes, lautes Frauenzimmer, flirtet mit dem Kammerdiener. Während das schläfrige Schloss vom Sicherheitsdienst „Dornen & Hecke“ bewacht wird, spricht sich das Drama um die Prinzessin und deren Familie im weltweiten Netz herum.

Glückspilz Prinz Achmed (Thomas Ehrlichmann) vom Euphrat küsst das Königskind schließlich wach. Zuvor wandert er durch die Wüste, über Berge und fährt am Ende mit einem alten Fischerboot übers Meer – das Bildnis der Angebeteten auf seinem Mobiltelefon immer vor Augen. Am Ende ist alles gut, schließlich geht’s um das traditionelle Märchen zu Weihnachten – oder auch zum Zuckerfest.

Die schnelle und spritzige Inszenierung verantwortet der Detmolder Regisseur Valentin Stroh, der im Vorjahr „Aladin“ ins Gütersloher Theater brachte. Die farbenprächtige Bühne und die Kostüme gestaltete Schäfers Lieblingsausstatter, der in der freien Theaterszene äußerst umtriebige Jörg Zysik.

Erste Anregungen für diese Eigenproduktion kamen 2013. Bald darauf signalisierte die Band „Randale“ ihr Interesse an einer Kooperation mit dem Theater Gütersloh. Im Detmolder Landestheater fand man die passenden Darsteller. Mehr als 100 Aufführungen in ganz Nordrhein-Westfalen sind geplant – damit verbunden der Verbreitungsgrad dieser fruchtbaren Gütersloh-Bielefeld-Detmold-Verbindung.

Es gibt noch Karten für die Aufführungen am 20. und 21. Dezember sowie am 25. und 26. Januar.

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