Ein Wachtmeister begleitet die Ausfahrt
Bild: Dinkels
Zum ersten Mal dabei und sehr angetan: Dr. Uwe Schellhas (55) aus Osnabrück mit einem 1892 in Paris gefertigten Rad Gladiator de Route. In der Lampe vorn befindet sich eine Kerze. Im Schaft steckt eine Feder, damit sich der Docht beim Abbrennen immer auf der richtigen Höhe befindet.
Bild: Dinkels

Der Grund: Im Gehäuse steckt eine Kerze aus Wachs. „Es geht nicht ums Sehen, es geht ums gesehen werden“, erklärt der Informatiker aus Osnabrück die Funktion der Lampe. Durch eine Feder im Schaft werde der Docht immer auf der richtigen Höhe gehalten. Jüngeren Datums sind an dem historischen Fahrrad nur die hellen breiten Reifen.

Schellhas, der sich nach eigenen Worten im Alltag eher nicht in Tweed kleidet, kennt solche Ausfahrten schon aus Oldenburg und Hildesheim. In Gütersloh ist er an diesem Sonntag zum ersten Mal dabei. Und es gefällt ihm: „eine schöne und lockere Veranstaltung“, sagt er der „Glocke“. Die Chancen stehen also gut, dass er 2017 wiederkommt.

Bei der dritten Auflage des Tweed Runs in Gütersloh fahren rund 70 Männer und Frauen mit. Viele kommen aus der Kreisstadt und der Nachbarschaft, andere aus Herford, Paderborn, Greffen oder Everswinkel.

Aus Warburg zum Beispiel ist Lorenz Sander (41) mit seiner Frau Regina (42) angereist. Er ist wohl er einzige Hochradfahrer im Teilnehmerfeld. Zur Vorbereitung habe er rund 13 Kilometer im Diemeltal zurückgelegt, berichtet Lorenz am Sonntag. Ohne Übung sei das gar nicht so einfach. Das Exemplar ist ein Nachbau eines Hochrads von 1870 (Kaiser Imperial). Das Herkules-Rad seiner Frau sei hingegen ein Original.

Vor dem Start herrscht dichtes Gedränge im Hof des Stadtmuseums an der Kökerstraße. Männer in Knickerbockern und Frauen in weiten Marlene-Hosen oder Tweedkostümen lassen sich vor einem Mercedes-Oldtimer ablichten. Es gibt Musik von „Lindyfeld“ und einen echten Barbier aus Düsseldorf. „Wenn in Tweed gekleidete Menschen auf historischen Fahrrädern in Gütersloh die Straßen unsicher machen, wissen wir, es ist Tweed Run“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Matthias Trepper in seinem Grußwort – und wünscht allen eine gute Fahrt.

„Aufsitzen!“ befiehlt alsdann Wachtmeister Michael Greis (41) und bläst in seine Trillerpfeife. Der humorvolle Bielefelder trägt eine Uniform der preußischen Landpolizei von 1928 und fährt selbst ein Göricke-Rad von 1924.

Durch die Innenstadt führt die Fahrt zur Stadtpark-Wiese, wo Kaffee und Kuchen warten. Unterwegs ist der Strampel-Konvoi ein beliebtes Foto-Motiv. Auf dem Rückweg machen die Radler einen Schlenker durch Güterslohs gute Stube. Am Alten Kirchplatz scheint in diesem Moment die Zeit stehengeblieben zu sein.

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