Eine einzigartige Tischbesen-Schau
Bild: Dinkels
Präsentiert ihre Sammlung erstmals in der Öffentlichkeit: Die Wahl-Gütersloherin Heide Götz hat in den vergangenen 25 Jahren an die 560 Tischbesen gesammelt: versilbert, verchromt, aus Messing, bemalt und im Jugendstil.
Bild: Dinkels

Tischbesen in unterschiedlichen Ausführungen aus den vergangenen 130 Jahren. Erstmals wird die womöglich weltweit einzigartige Kollektion ausgestellt.

Am Anfang stand ein Verlust. „Im Zuge einer größeren Renovierung ist 1986 unser Tischbesen aus Familienbesitz abhandengekommen“, berichtet Heide Götz, die in Berlin geboren wurde, in Freiburg/Sachsen aufgewachsen und 1960 nach Gütersloh gezogen ist. Es war ein Erbstück von der Großmutter von 1921. Das versilberte Set mit Rosshaarborsten war in Ehren gehalten und bis zuletzt benutzt wurden, um Krümel und sonstige Überreste von der Tischdecke zu fegen.

Das eigene Stück hat Heide Götz bis heute nicht wiedergefunden. Allerdings mündete die Ersatzsuche in eine Sammelleidenschaft. „Bei der Suche stellte ich fest, dass noch viele Tischbesen existieren. Und nachdem ich die ersten Exemplare erstanden hatte und sah, was es für unterschiedliche und wirklich schöne Ausführungen gab, war für mich als eine vieles Sammelnde ein neues, wundervolles Sammelgebiet entstanden.“

Fündig wurde sie auf Trödelmärkten, in Antiquariaten, auf Reisen ins benachbarte Ausland und immer wieder im Internet. Manche bekam sie auch geschenkt, als sich ihr Hobby herumsprach. Allerdings landeten die Stücke bei der ehemals selbstständigen Druckvorlagenherstellerin mangels Zeit zunächst auf dem Dachboden. Erst nach und nach fand die Gütersloherin die Muße, ihre Stücke zu ordnen und zu dokumentieren. Auf 559 Garnituren und 37 Einzelstücke ist die Sammlung bis heute angewachsen.

Etwas mehr als die Hälfte davon ist bis zum 9. September im Stadtmuseum zu sehen. Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Sie soll der Auftakt zu einer ganzen Reihe („Gütersloher Sammler zeigen ihre Schätze“) sein.

Der älteste Schatz von Heide Götz ist ein versilberter, stark abgenutzter Tischbesen von etwa 1880. Die zumeist maschinell gefertigten Stücke unterscheiden sich im Material (von Kupfer, Messing, Silber, Zinkguss bis hin zu Bakelit, Porzellan, Holz und Kunststoff), in der Form und in der Oberflächenbehandlung. Viele sind reichlich verziert. Die Besen stammen zum größten Teil aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Italien, Dänemark, England und der Schweiz.

Hintergrund

Es ist ein Thema für eine Doktorarbeit. Gesicherte Informationen sind rar, und selbst beim letzten Hersteller, der Firma WMF, die 2000 die Produktion von Tischbesen eingestellt haben soll, kam die Gütersloherin nicht weiter. Götz: „Die Ausstellung zeigt sehr überzeugend, wie sich in den Jahren von 1880 bis 2012 der Stil und die Tischkultur verändert haben. War in den Jahren bis etwa 1920 vor allem durch Einflüsse von Historismus, Gründerzeit und Jugendstil noch ein sehr ausgeprägter, zum Teil überladener, mit reichlich floralen Elementen und den Reichtum zeigender Stil angesagt, findet mit Art Deco und Bauhausstil ein langsamer Übergang zur Moderne statt.“ Da es noch nach 1950 viele Modelle gegeben habe, nimmt Götz an, dass „es noch einige Jahre zum guten Ton gehörte, Tischbesen zu verwenden“. Bis heute sei das in der Gastronomie der Fall.

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