Ess-Störungen und die sozialen Medien
Informierten mit der Fachveranstaltung „Dick, dünn, perfekt?!“ über neue Herausforderungen im Bereich der Essstörungen: (v. l.) Ellen Wendt (Gleichstellungsbeauftragte des Kreises), Dr. Moritz Noack (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie -psychotherapie), Doris Schlüter (Abteilung Gesundheit des Kreises), die stellvertretende Landrätin Dr. Christine Disselkamp, Maike Czekala (Ärztin im LWL-Klinikum Gütersloh) und Sarah Herrmann vom Kompetenzzentrum Jugendschutz.net. Rund 100 Interessenten nahmen an der Tagung im Kreishaus Gütersloh teil.

Die vom Netzwerk Ess-Störungen im Kreis Gütersloh organisierte Veranstaltung unter dem Motto ,‚Dick, dünn, perfekt?! – Neue Herausforderungen im Bereich der Ess-Störungen“ befasste sich im Kreishaus Gütersloh mit den Auswirkungen von sozialen Medien auf das körperliche Erscheinungsbild sowie mit dem Essstörungsbehandlungskonzept der LWL-Universitätsklinik Hamm. 100 Personen aus den Bereichen Pädagogik, Medizin, Ernährungsberatung und Psychologie nahmen teil.

Fachtagung im Kreishaus Gütersloh

Nach Angaben von Sarah Herrmann vom Kompetenzzentrum Jugendschutz.net  beeinflusst die zunehmende Digitalisierung des Alltags und die Kommunikation durch soziale Medien auch die Verbreitung und Wahrnehmung von Essstörungen. Im Netz fänden sich viele „Pro Ana“- und „Pro Mia“-Seiten mit Anleitungen zum Abnehmen und zum Geheimhalten von Ess-Störungen. „Ana“ sei eine beschönigende Abkürzung für Magersucht, „Mia“ für Bulimie.

„Wie soll man an Erkrankte herankommen, wenn einem anonym Tipps gegeben werden, wie man Essen vermeiden kann“, fragte Dr. Christine Disselkamp bei der Begrüßung der Teilnehmer. Die stellvertretende Landrätin lobte die „sehr wichtige“ Arbeit des Netzwerks, durch die „immer wieder informiert, sensibilisiert und Hilfe angeboten wird“.

Problematische Seiten im Internet

Das Kompetenzzentrum für den Jugendschutz im Internet, Jugendschutz.net, versucht einer Mitteilung zufolge unter anderem genau solche Seiten aus dem Netz zu nehmen. „Heranwachsende können die Tragweite dieser Seiten nicht so einschätzen wie Erwachsene“, sagte Herrmann. Anstelle der „Pro Ana/Mia“-Seite werde ein Platzhalter eingestellt, der versuche, die Betroffenen über Links zu Beratungsstellen in Richtung Therapie und Hilfe zu lenken. Schwierig werde es bei geschlossenen Whats-App-Gruppen. Man könne nur gegen Aufrufe zur Gründung oder zum Eintritt in solche Gruppen vorgehen.

Behandlungskonzept vorgestellt

Wie und wo Erkrankte behandelt werden können, zeigten Maike Czekala, Ärztin im LWL Klinikum, und Dr. Moritz Noack, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, auf. Czekala stellte die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Gütersloh vor. Dort gibt es 30 stationäre Plätze zur Behandlung von Essstörungen. Dr. Noack erklärte das Behandlungskonzept der LWL-Klinik Hamm und berichtete von seinen Erfahrungen in der Therapie mit Jugendlichen.

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