„Flinke Killer“ zollen Bukowski Tribut
Bild: Hein
Zollten Charles Bukowski, dem „Dirty Old Man“ der Literatur, ihren Tribut: (v. l.) die Akteure vom Theateratelier Jan Heißmann, Tasja Heintz, Frank Salomon-Neumann, Jochen Walden und Manuela Kramer als „Flinke Killer“ in der Weberei.
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Aber nein, der ist schon mehr als 30 Jahre tot. Doch seine Fans lieben ihn weiterhin und lassen seine Werke gern auferstehen. So auch am Mittwoch in der Gütersloher Weberei. Zwei Stunden lang spüren die Besucher die Flüchtigkeit eines Augenblicks. Denn das „Theateratelier“, im Bürgerkiez beheimatetes Ensemble anspruchsvoller Laienschauspieler, hat zur Bukowski-Revue geladen und macht einen Retro-Abend zum künstlerischen Ereignis.

Unter dem Titel „Flinke Killer“ lesen sie aus verschiedenen, in den 80er-Jahren entstandenen Texten. In Verbindung mit Liedbeiträgen des Duos Walden-Heißmann entsteht ein atmosphärisch dichtes Bühnentheater, das die Besucher in eine prägende Epoche zurückversetzt und leider am Ende des Abends wieder in die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts entlässt. Die Revue führt das Publikum in die Zeit des eigenen Aufbegehrens, des Suchens nach Eigenständigkeit und Individualität zurück.

Unter der Leitung von Frank Salomon-Neumann wird die Lesung aus Werken eines unangepassten Außenseiters zum Kammerspiel. Tasja Heintz und Manuela Kramer verleihen den Rollen der jungen Ungestümen und der älteren Verständigen wirklichkeitsnahe Tiefe. Mit ihrem Sprachklang machen sie das von „Buk“ beschriebene Leben am Rande der Gesellschaft glaubwürdig.

Salomon-Neumann in der Rolle von Bukowskis Alter Ego Hank lässt sich mit lüsterner Mimik und arrogantem Gehabe auf die Gedankenwelt des zur Kultfigur gewordenen Autors ein. Zwischen rotzigen, vulgären, oft pornografischen Zeilen und einem schnellen Schluck aus dem Weinglas werden Szenen lebendig, die der Einzelne lieber nicht selbst erleben möchte.

Bukowskis Texte mit Musik kombiniert auf die Bühne zu bringen, ist keine neue Idee. Michael Kiesling mischte sie schon Ende der 90er-Jahre erfolgreich mit Songs von Tom Waits. Jochen Walden und Jan Heißmann überbrücken die Textvorträge aber auf eigene Weise, singen dunkel und schwermütig Lieder von Depeche Mode bis Jonny Cash, ganz reduziert, ganz stolz. Heißmanns Elektrogitarre sucht dazwischen ergebnislos nach einer Verbindung zwischen Rock’n Roll und Heavy Metal, kann nur sporadisch ausbrechen aus dem strengen Korsett, bleibt sehr feinfühlig und hintergründig. Welches Glück, dass diese beiden gereiften Musiker zueinander gefunden haben.

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