Flugplatz: Bertelsmann und Miele heben ab
Archivbild: Dinkels
Eine Dornier 328 war am 31. Oktober 2003 der letzte Geschäftsflieger, der vom Flugplatz Gütersloh aus startete. An Bord waren die Besatzung und 32 Miele-Fachhändler aus dem Raum Karlsruhe. Von 1986 bis 2003 wurde der Flugplatz für Geschäftsflüge genutzt.
Archivbild: Dinkels

Mit den Berliner Philharmonikern hat alles angefangen. Sie sollten bei der Jubiläumsveranstaltung 150 Jahre Bertelsmann im Mai 1985 in Gütersloh spielen. Das ließ sich wegen enger Zeitpläne nur verwirklichen, wenn sie direkt von Paris an die Dalke fliegen konnten. Die Royal Air Force (RAF) erteilte den Philharmonikern eine Landeerlaubnis auf dem Flugplatz. Bertelsmann revanchierte sich mit 1000 druckfrischen Büchern für deren Bibliothek.

„Aus dieser Gefälligkeit entwickelte sich eine regelmäßige Beziehung zwischen dem Hause Bertelsmann – Miele schloss sich an – und der RAF, die auch zu Verträgen über eine begrenzte Zahl von Starts und Landungen im Jahr 1986 führte“, berichtet Dr. Wolfgang Büscher in seinem Buch „Der Flugplatz Gütersloh im Wandel der Zeit“ (1994).

1987 erhielten die Firmen eine Zollbefreiung. Während Bertelsmann mit firmeneigenen Flugzeugen für den Großteil der Flugbewegungen verantwortlich zeichnete, flog Miele mit gecharterten Maschinen Händler aus anderen Teilen Europas nach Gütersloh. 1992 verzeichnete allein Bertelsmann 432 Starts und Landungen.

Vor allem auch der Geschäftsführende Miele-Gesellschafter Rudolf Miele (1929 bis 2004) war ein vehementer Fürsprecher des Geschäftsflugbetriebs. Der stand auf der Kippe, als die Royal Air Force ihren Abzug für März 1993 ankündigte. In dem Jahr wurde um die zivile Mitnutzung des Flugplatzes hart gerungen. Auf der einen Seite stand die 1992 von der Wirtschaft initiierte Interessengemeinschaft Fluglatz Gütersloh (IGFG), aus der 1994 die Flughafen Gütersloh GmbH (FGT) hervorging. Auf der anderen Seite agierten die „Vereine gegen Flughafen“, die sich aus Anwohnern in Blankenhagen und Umweltschützern rekrutierten, sowie SPD und Grüne.

1994 kehrten die Fluglotsen der RAF zurück und ein eingeschränkter ziviler Flugbetrieb wurde fortgeführt. Der Flugplatz blieb jedoch ein Zankapfel. 1995 trat die Stadt Gütersloh nach einem Votum der damaligen rot-grünen-Ratsmehrheit aus der Flugplatz Gütersloh GmbH aus.

Im April 1996 erteilte das NRW-Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand, Technologie und Verkehr als oberste Luftfahrtbehörde offiziell die Genehmigung für eine zivile Mitbenutzung des militärischen Flugplatzes. Sie erstreckte sich auf zivile Flugzeuge bis zu 20 Tonnen und Hubschrauber bis zu 5,7 Tonnen. Sie durften nach Sichtflug- und nach Instrumentenflugregeln starten und landen. Die Betriebszeit wurde auf Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr beschränkt. Luftrechtlich erhielt die Einrichtung den Status eines Sonderflughafens.

Jeder Flug bedurfte der Genehmigung der FGT. Auf diese Weise sollte die Obergrenze von bis zu 3500 genehmigten Flugbewegungen eingehalten werden (die aber nie erreicht wurden). Die Erlaubnis ermöglichte Geschäftsflüge für die heimische Wirtschaft mit kleinen Fliegern für bis zu 40 Personen, verhinderte aber eine Konkurrenz zum Regionalflughafen Paderborn-Lippstadt. Das war von allen Seiten so gewollt. 1996 gab es rund 850 Starts und Landungen.

Den vollständigen zwölften Teil der Serie lesen Sie am Mittwoch in der Gütersloher Ausgabe der „Glocke“.

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