Forschungsabenteuer im Arktischen Ozean
Arbeit auf dem Achterdeck des Eisbrechers Oden: Lisa Bröder mit Helm und im wasserdichten Overall. Die 28-jährige Doktorandin der Physik unterstützte im Arktischen Meer ein Team von Klimaforschern der Universität Stockholm

Die 28-Jährige ist Doktorandin der Umweltwissenschaften an der Universität Stockholm. Vom 5. Juli bis zum 20. August hat sie bei der Swerus-C-3-Expedition im Team von 40 Klimaforschern den Permafrostboden untersucht. Ziel der Forschungsreise: Sediment, Luft und Wasser in der Region analysieren und herausfinden, wie sich die Erderwärmung und das damit einhergehende Auftauen der Böden weiter auf das Klima auswirkt.

Gute Zusammenarbeit im Team

Wenn Lisa Bröder über ihre Zeit auf der Oden erzählt, wird schnell deutlich, wie beeindruckend die Erfahrung für die junge Wissenschaftlerin war. Zunächst berichtet sie sachlich über den ersten Tag auf dem Schiff, das seine Tour im nordnorwegischen Tromsø startete. „Nach und nach sind alle Kollegen des Teams eingetroffen. Wir haben unsere Kajüten bezogen und sind von der Crew in die Sicherheitsvorschriften eingewiesen worden.“ Auf die Frage, wie es funktioniert, so lange Zeit auf so engem Raum mit den Mitbewohnern in der Kabine und den Kollegen zusammenzuleben, lobt sie die Vorbereitungen ihres Chefs. „Er hat sich sorgfältig überlegt, wer mit wem gut auskommen könnte.“ Jorien Vonk, ihre Mitbewohnerin aus den Niederlanden, habe sie vor der Reise nur einige Male getroffen, Joanna Sawicka aus Stockholm erst auf dem Schiff kennengelernt.

Wohlfühl-Kleidung ist wichtig

Die drei Frauen lagen offenbar auf einer Wellenlänge. „Wir haben später sogar unsere Klamotten getauscht oder uns Schmuck geliehen“, sagt Lisa Bröder schmunzelnd. Denn auf der Expedition hat sie auch gelernt, dass es trotz Zwölf-Stunden-Schichten wichtig ist, sich in der knappen Freizeit wohl zu fühlen. „Bei der Arbeit haben wir meistens warme, wasserdichte Overalls getragen. Und ich habe hauptsächlich Kleidung eingepackt, von der ich gedacht habe, dass sie ruhig schmutzig werden darf. Ich konnte sie aber irgendwann nicht mehr sehen“, betont die Doktorandin und lacht.

Unterstützung von der Crew

Beim Erzählen fügen sich die Erinnerungen immer besser aneinander. Lisa Bröder schwärmt von der Crew der Oden, die den Wissenschaftlern immer wieder ihre Unterstützung angeboten habe. „Wenn etwas repariert werden musste, hat sich die Besatzung angeboten, uns zu helfen“, erzählt sie. „Wir haben zusammen gegessen und abends auch mal ein Bier getrunken.“ Dieser intensive Kontakt zwischen Mannschaft und Forschungsteam sei nicht selbstverständlich.

Mitternachtssonne

Zehn Tage hat es gedauert, bis das Schiff die erste Station im ewigen Eis erreichte und die Forscher mit ihrer Arbeit beginnen konnten. „Die Abfahrt aus Tromsø war traumhaft“, sagt Lisa Bröder. „Wir sind bei strahlendem Sonnenschein durch die wunderschöne Fjordlandschaft gefahren. Um Mitternacht stand die Sonne noch hoch am Himmel. Als wir am nächsten Tag aufgestanden sind, hatten wir um uns herum nur noch Wasser.“ Die befürchtete Seekrankheit blieb der Gütersloherin und auch den anderen Mitgliedern des Teams erspart. „Wir hatten ruhige See. Und auch sonst sind alle gesund geblieben.“

1800 Sedimentproben verpackt

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nahmen die Klimaforscher Sedimentproben vom Meeresboden aus Tiefen von 50 bis 3000 Metern. „Auf diese Weise können wir herausfinden, ob sich das ausgespülte organische Material im flachen Wasser absetzt oder in größere Tiefen weitertransportiert wird“, erklärt die Wissenschaftlerin. Rund 1800 Beutel mit Sediment hat das Swerus-Team von der Expedition mitgebracht. „Das alles zu verpacken, war manchmal ziemlich langweilig“, erinnert sich Lisa Bröder an die weniger aufregende Arbeit im Arktischen Meer. „Aber mit netten Kollegen und guter Musik geht das schon“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Waldspaziergang als Ausgleich

Nach einigen Tagen Sonderurlaub geht ihre Arbeit an der Universität in Stockholm mit der Analyse der Sedimentproben weiter. Bis dahin genießt sie es, wieder im Wald spazieren gehen und sich mit Freunden treffen zu können. „Es ist ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein“, sagt sie. „Aber es war eine gute Zeit auf der Oden, und ich könnte mir vorstellen, noch einmal an so einer Expedition teilzunehmen.“

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