Friedensarbeit in Rshew prägt nachhaltig
Gemeinsames Arbeiten im Friedenspark von Rshew: russische und deutsche Jugendliche, darunter sechs Schüler von der Gütersloher Anne-Frank-Gesamtschule.

Sechs Jugendliche aus dem Kreis Gütersloh hatten sich an der Neuauflage des Versöhnungsprojekts nach vier Jahren Pause beteiligt. Deutschlandweit waren 18 Teilnehmer im Alter zwischen 17 und 23 Jahren nach Russland gereist.

Olga Bünemann, die als Schulreferentin für den Volksbund arbeitet, hatte 2001 selbst an einem Camp teilgenommen, 2009 das letzte Workcamp geleitet und jetzt die Initiative zur Wiederbelebung der Veranstaltung ergriffen. „Es war für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt sie.

Das Projekt steht auf den Säulen Begegnung, Bildung und Arbeit. Rund vier Stunden am Tag sind zur Pflege der Kriegsgräber reserviert. Die befinden sich zum großen Teil in dem 2002 errichteten Friedenspark. Dort liegen russische und deutsche Kriegsopfer begraben. Auf dem Friedhof wurde Unkraut von den Wegen gezupft und die Grabsteine wurden gesäubert.

 Die Gütersloher Teilnehmer besuchen alle die Anne-Frank-Gesamtschule. Dort wurden sie während einer Infoveranstaltung vom Volksbund durch Stefan Schmidt auf das Thema aufmerksam gemacht. Vom 17. bis zum 31. August waren sie in Rshew zu Gast. Die letzten beiden Tage der Reise verbrachten sie in Moskau. „Das hat mich gleich angesprochen und so oft kommt man ja nicht nach Russland“, sagt Jonas Weber rückblickend.

 

Im kommenden Jahr feiert Gütersloh die Geburtstage seiner Städtepartnerschaften. Die mit Grudziadz in Polen besteht dann 25 Jahre, mit dem schwedischen Falun 20 Jahre und mit Rshew 5 Jahre. Im Rahmen der Feierlichkeiten soll eine Bilderausstellung über das diesjährige Workcamp gezeigt werden. Dafür war Fotograf Andrey Sosnin aus Bielefeld mitgefahren, um die Reise zu dokumentieren. „Uns war wichtig, die Sache aus einem professionellen Blickwinkel zu sehen“, so Olga Bünemann.
Mit Freude an der Mischung, ein unbekanntes Land kennenzulernen und deutsch-russische Geschichte aufzuarbeiten, nahm die Gruppe an dem Workcamp teil. „Ein interessantes Land mit herzlichen und gastfreundlichen Menschen“, sagt Rianna Thiele, auch wenn man sich angesichts der Infrastruktur und des Lebens um 30 Jahre zurückversetzt fühle. Manche Vorurteile seien bestätigt, andere widerlegt worden. „Ich bin da mit der Vorstellung Pelzmantel, Pelzmütze und Wodka hingefahren“, so die 19-Jährige.

Überall in der Stadt wird mit Denkmälern an den Krieg erinnert. Ein Grund um innezuhalten und sich zu fragen, wo steht man hier. Bereut hat die Teilnahme niemand und der Tenor ist, gern noch einmal zurückzukehren. Dafür heißt es jedoch, sich in Geduld zu üben, denn künftig soll das Workcamp alle zwei Jahre stattfinden. „Ich hoffe, dass dieser Rhythmus dann auf stabilen Füßen steht“, sagt Olga Bünemann.

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