Höchste Düne weicht dem Rollfeld
Bild: Paul G. Stipdonk /Verein zur Dokumentation der Luftfahrtgeschichte in Gütersloh
Stationiert auf dem Flugplatz Gütersloh: Zu den Flugzeugen der Reichsluftwaffe, die in Gütersloh starteten, gehörte ab 1938 auch die Heinkel 111P mit vollverglaster Rumpfnase. IM Hintergrund ist der Gütersloher Tower zu erkennen.
Bild: Paul G. Stipdonk /Verein zur Dokumentation der Luftfahrtgeschichte in Gütersloh

Damit endet nach 79 Jahren die militärische Nutzung des ursprünglich 1937 für die Luftwaffe eröffneten Fliegerhorsts.

In einer Serie beleuchtet „Die Glocke“ die Geschichte des Flugplatzes und all die verschiedenen Facetten vom Bau über die Nutzer, den Fluglärm, Unfälle, den Geschäftsflugbetrieb bis hin zu den royalen Besuchern und dem Nutzungskonzept für die Zeit nach der Rückgabe.

Den bis heute umfassendsten Gesamtüberblick bietet dazu der Gütersloher Lehrer und ehemalige FDP-Ratsherr Dr. Wolfgang Büscher (62) in seiner 1994 publizierten Dissertation „Der Flugplatz Gütersloh im Wandel der Zeit“. Zuvor hatte der britische Offizier Gerry Lewis 1987 eine kurze Geschichte des Flugplatzes von 1937 bis 1987 verfasst. Außerdem lässt „Die Glocke“, die seit Jahrzehnten über das Areal berichtet, Zeitzeugen zu Wort kommen.

Teil eins: Bau für die Luftwaffe

Der Siebenkirchturmhügel ist mit 79 Metern über Normal-Null der höchste Punkt in Gütersloh gewesen. Von dort sah man die Kirchturmspitzen in Wiedenbrück, Rheda, Herzebrock, Marienfeld, Brockhagen, Isselhorst und die Martin-Luther-Kirche in Gütersloh. Für den Bau des Fliegerhorsts wurde die Düne 1935 abgetragen.

An der Stelle liegt heute das östliche Ende der stillgelegten Start- und Landebahn an der Marienfelder Straße. Um mindestens neun Meter wurde die mit Kiefern bewachsene Düne abgesenkt. Den Sand verwendete man für das 1938 freigegebene Teilstück der Reichsautobahn (A 2) zwischen Recklinghausen und Herford.

Gütersloh ist nicht ohne Grund Garnisonsstadt mit einem eigenen Flugplatz geworden. Die Altvorderen hatten sich aktiv darum bemüht. Dabei war es nach einem Schreiben des damaligen Wiedenbrücker Landrats Edwin Klein nicht der schon schwer erkrankte Bürgermeister Gustav Thummes, der die Verhandlungen mit der Luftwaffe vorantrieb, sondern es sollen der NS-Ortsgruppenleiter und Sparkasseninspektor Heinz Hohoff und der erste Beigeordnete gewesen sein.

Die Entscheidung in Berlin zugunsten Güterslohs fiel schließlich auch aufgrund finanzieller Versprechen, wie Dr. Wolfgang Büscher in seiner 1994 publizierten Dissertation „Der Flugplatz Gütersloh im Wandel der Zeit“ berichtet. Gütersloh gehörte schon damals zu den reichsten Städten im Gebiet des heutigen Landes NRW. Den Grunderwerb – mehrere Höfe mussten weichen – ließ sich die Stadt 487 000 Reichsmark kosten. 77,5 Hektar wurden für 3000 Reichsmark jährlich an den Reichsfiskus Luftfahrt verpachtet und 42,5 Hektar lastenfrei zur Verfügung gestellt.

Schon bei Baubeginn 1935 lagen die größeren Flächenanteile auf Herzebrocker und Marienfelder Gemeindegebiet. 1945 bei Kriegsende betrug die Gesamtfläche 300 Hektar. Zu diesem Zweck wurden wohl zwangsweise aus Marienfeld (damals Kreis Warendorf) 76,02 Hektar (am 14. Mai 1938) und aus Herzebrock erst 93,77 Hektar (am 1. Oktober 1938) und später – schon während des Krieges – 87,76 Hektar (am 18. August 1943) auf Wunsch der Luftwaffe eingemeindet. Sie habe nur einen Ansprechpartner haben wollen, berichtet Büscher.

Unlängst haben sich die Bürgermeister der drei Kommunen verständigt, eine Entwicklungsgesellschaft zu gründen und auf Rückgemeindungsansprüche zu verzichten.

Aber zurück zum Bau: Das Gelände war zum Teil bewaldet und wurde abgeholzt. Nach elf Monaten Bauzeit – das Rollfeld, eine Graspiste, war schon vorher hergerichtet worden – wurde am 4. März 1937 das Richtfest gefeiert. Tausende von Handwerkern und Angehörige des Reichsarbeitsdienstes waren auf dem Gelände beschäftigt. In die Offiziersmesse wurden Teile des alten Bauernhauses Wixfort integriert, unter anderem ein alter Kamin. 1964 musste das Gebäude, in dessen Turm sich auch das sogenannte Göring-Zimmer befand, von den Briten nach einem Brand restauriert werden.

Den gesamten ersten Teil der Serie lesen Sie am Mittwoch, 13. Juli, in der Gütersloher Ausgabe der „Glocke“.

 

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