Kriegsspielzeug(nisse) im Stadtmuseum

 Denn Kriegsspielzeug ist nicht nur ein vieldiskutiertes Thema, es ist vor allem ein lukratives Geschäft. Dieser Debatte trägt das Gütersloher Stadtmuseum nun Rechnung. Unter dem Titel „Schaufel, Förmchen, Panzer“ wird anhand voller Vitrinen ein (kleiner) Einblick gegeben, in welchem Ausmaß Kriegsspielzeug und -spiele sowie Kriegsspielzeugnisse im Lauf der Jahrhunderte produziert wurden und Eingang in den familiären Alltag fanden. Die Schau ist ab Samstag, 15. Oktober, bis zum 4. Dezember zu sehen.

Es ist weder eine der typischen Sammler- oder Modellbauausstellungen, noch eine chronologisch geordnete oder gar pädagogisch aufgearbeitete Schau. Vielmehr nehmen mehrere hundert (Kleinst-)Objekte – von Soldatenfiguren über Fotografien, Plakaten und Landkarten bis hin zu Bastelbögen, Flugzeug- und Schiffsmodellen, Granathülsen und Kanonenrohren sowie Kunstwerken – Aufstellung. Aber nicht in Reih‘ und Glied, sondern bunt durcheinander. Sie zeigen, was es zwischen Ritterburg und Rambo, zwischen Sandkastenspielen und Star Wars alles gab und gibt. „Ein pures Reflexionsangebot“, beschreibt Museumsleiter Dr. Rolf Westheider die gute Absicht.

 Kuratiert hat die Ausstellung der Bielefelder Frank Föste, der die Exponate aus dem Fundus des Stadtmuseums, verschiedener Galerien und Privatsammlungen – darunter auch seiner eigenen – zusammenstellte. Die langjährige Nachbarschaft zur Kaserne der britischen Streitkräfte am Teuto hat den 62-Jährigen zum Sammler mit dem Spezialgebiet „Kalter Krieg“ werden lassen. Aus seiner „Cold-War-Collection“ ist schon so manche Ausstellung in Deutschland bestückt worden. Auch diese Schau wird weiterziehen, unter anderem nach Andernach.

 Fast alles, was zu sehen ist, zeigt Gebrauchsspuren. Schließlich wurde das Spielzeug benutzt. Das gilt für den deutschen Kindersäbel aus dem Ersten Weltkrieg ebenso wie für die bleiernen russischen Soldatenfiguren aus den 70er-Jahren. „Anfassen verboten“, sagt Föste, „denn die sind giftig.“

Woher er seine „Schätze“ hat, möchte er nicht immer sagen. Die große Pappkiste mit den 120 Plastikpanzern für den Sandkasten kommt ebenso aus DDR-Beständen wie das von Leipziger Schülern gebaute Modell des russischen Panzerkreuzers „Aurora“, der einst in St. Petersburg den Startschuss zur Oktoberrevolution gab. Woher aber die Originalkarte mit allen in der früheren DDR stationierten Waffensystemen stammt, verrät er nicht.

Fragwürdige Verständlichkeit

 Manches in der Ausstellung macht beklommen. Da ist ein Stück Kanonenrohr von der Scharnhorst zu sehen, des ersten nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gebauten Schlachtschiffs, auf dem nun das Miniaturmodell steht. Und Mini-Panzer werden auf original panzerbrechender Treibspiegel-Munition präsentiert. „Wir wollen deutlich machen, welch böse Wirkung das Spielzeug in der Realität haben kann.“ Ob das für jeden Besucher auf den ersten Blick verständlich wird, bleibt fraglich.

Derweil bewacht eine Kopie der Totenmaske vom Alten Fritz diverse Drucke zur strategischen Kriegsführung. Schließlich galt der Preußenkönig als Meister dieses Metiers. Schlachten ganz anderer Art schlugen die Spielzeughersteller. Dass mit dem alten japanischen Brettspiel Go einst die Generäle der kaiserlichen Armee im strategischen Denken unterrichtet wurden, ist bekannt. Dass aber die für ihre lieblichen Puppen bekannte Käthe Kruse für 25 Mark „Potsdamer Soldaten“ herstellte, die „der Phantasie des Kindes weitesten Spielraum geben – als Freunde und Feinde“ ist eine der Überraschungen, die das Stadtmuseum offenbart.

Dazu gehört auch die Vielfalt an Ausschneidebögen, mit denen sich Kinder in aller Welt über Jahrzehnte ihre eigenen Armeen ins Haus holen konnten. Die Schau zeigt Exponate aus Preußens Glanz und Gloria, aus dem spanischen Bürgerkrieg bis hin zu den amerikanischen Weltkriegs-Siegern. Und dann ist da auch noch die Kunst, die aus Bombenhüllen bunt bemalte Blumen macht oder das Peace-Zeichen aus gefallenen Soldaten formt. Sicherlich beides kein Volltreffer.

Was bleibt, ist der Gedanke, dass die Ausstellung für Menschen, die seit 70 Jahren im Frieden leben, sicherlich eine ganz andere Wirkung hat, als auf Besucher, die just einem Krieg entronnen sind.

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