Kunstpassage öffnet ihre Pforten
Blick in die Kunstpassage an der Münsterstraße 48, temporäre Galerie des Gütersloher Künstlerkreises und zur „Langenachtderkunst“ am Samstag, 20. Mai, von 19 bis 24 Uhr geöffnet.

Am Donnerstagabend zelebrierten die zehn Künstler aus fünf Nationen dort ihre erste Vernissage. Unter dem weitgreifenden Titel „Natur und Mensch“ zeigen sie ihre Werke bis zum 10. Juni in Güterslohs erster Kunstpassage.

Es wird wohl auch die einzige Ausstellung dort bleiben, denn die Galerie ist – wie berichtet – nur eine temporäre. Ein Pilotprojekt auf 160 zentral gelegenen Quadratmetern, mit dem der Künstlerkreis offenbart, was ihn ausmacht und was er auf Dauer möchte: ein attraktives Forum – zum Präsentieren und Arbeiten. „Wir wollen einerseits etwas gegen das städtische Defizit im Bereich der Bildenden Kunst tun“, sagt Kurator Frido Jacobs, „andererseits dazu beitragen, dass Kunst in Gütersloh verstärkt als Imageträger begriffen wird.“ Mit dieser Schau dürfte das gelingen.

 

Ausstellung: „Natur und Mensch“ bis zum 10. Juni in der Kunstpassage, Münsterstraße 48, Gütersloh.

Öffnungszeiten: Geöffnet ist die Kunstpassage dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Zur „Langenachtderkunst“ am morgigen Samstag stehen die Künstler interessierten Besuchern von 19 bis 24 Uhr zur Verfügung.

Workshops:

Donnerstag, 25. Mai, 17 bis 19 Uhr,  Frottagen mit Barbara Remmert.

Samstag, 27. Mai, 14 bis 17 Uhr, Pastelle und Collagen mit Karin Davids.

Montag, 29. Mai und 5. Juni, 16 bis 17.30 Uhr Schraffieren für Kinder und Jugendliche.

mittwochs und freitags (vom 24.Mai bis 9.Juni) freie Malerei für Kinder und Jugendliche.

Die vielseitige Ute Kugel-Erbe ist nicht nur mit fantasievollen Objekten aus Alltagsfundstücken sowie Ostsee- und Atlantik-Bildern, die von der Energie des Meeres erzählen, vertreten. Ihre vermeintlich freundliche Landschaftsmalerei beinhaltet immer auch einen kritischen Blick auf den Zustand der Gesellschaft und unseren fragwürdigen Umgang mit der Natur. „Banken auf tönernen Füßen“ unter einem Kirschblütenmeer spricht für sich.

Das Innenleben der Natur beleuchtet Barbara Remmert mit ihren expressiven Frottagen: Mit einem Graphitstift reibt sie Buchenrinden auf Japanseidenpapier durch und macht so die Strukturen der Bäume sichtbar. Überdimensionale Fingerabdrücke langlebiger Zeitzeugen. Dass die studierte Kunsterzieherin auch sehr „fein“ kann, beweist sie mit ihren eleganten Monotypien.

 Saman Shirvani, just als Flüchtling anerkannter Kurde aus dem Iran, ist als Gast beim Künstlerkreis mit mehreren Ölbildern und Zeichnungen vertreten. Ein besonderer Blickfang ist sein Werk „Schreien“, das eindringlich jene Verzweiflung offenbart, die Menschen empfinden, die in ihrer Heimat zum Schweigen verdammt sind. Shirvani malt, um „zur Ruhe zu kommen, um besser denken zu können.“ Seine (unverschleierten) Frauenporträts heißen „Liebe“ oder symbolisieren den „Blick in die Zukunft“. Zudem bannt er berühmte Persönlichkeiten wie Gandhi pointillistisch aufs Papier. Punkt für Punkt eine durchdachte Reverenz.

Menschen, Mutationen und Momente

Der aus den Niederlanden stammende Johan Sol, ehemaliger Chefdesigner der Firma Vossen, lockt mit seiner charmanten „Solschen Fauna“, einem augenzwinkernden Kosmos skurriler Mutationen des homo sapiens, die durch Kurzgeschichten erklärt werden.

Ulla Timmermann lässt auf großer Fläche die Farbe fließen. Ihre abstrakten Formen entwickeln sich beim malerischen Prozess. Das kraftvolle Rot ihrer Bilder wird nur von wenigen Linien oder von grauen Flächen domestiziert. Spielraum für freie Assoziationen.

Momentaufnahmen urbanen Lebens bereichert Margret Wenzke die Schau. „Einkaufsbummel“ hat sie ihre aquarellierten Szenarien genannt, die den Mensch in den Mittelpunkt stellen.

Das gilt auch für die Skulpturen von Karin Bergmann. Sie arbeitet gleichermaßen gern in Alabaster und Speckstein, in Sandstein oder Serpetin und jüngst auch in Bronze. Liebe, Freiheit, Angst und Toleranz, das sind ihre Themen. Da umfängt „Big Mama“ fürsorglich ihre zehn Kinder. Da versuchen Flüchtlinge über einen Drahtverhau zu entkommen – und bleiben doch in der Leere dahinter gefangen und vis-a-vis drängt sich eine Familie in einem Drahtglobus zusammen. „Vernetzte Welt – verletzte Welt“ hat Bergmann das Werk genannt.

Karin Davids geht in ihren Collagen den „Spuren in der Zeit“ nach – mit Fotos und Fundstücken, die sie „Zivilisationsreste“ nennt. Ihre Landschaftsmalerei ist eine Hommage an ihre ostfriesische Heimat. Pastose Sand-Acryl-Mischungen wirken eruptiv. Eingearbeitete Holzstücke, Pappe oder Sägespäne brechen die Farbstrukturen auf, lassen die Malerei zum Relief werden. Kunst als Kraftspeicher - sowohl als individueller als auch als universeller.

Die aus der Türkei stammende Serpil Neuhaus nimmt sich in ihren nachdenklich stimmenden Bildern und Zeichnungen des Themas Alter und Mobilität an. Es sind unaufgeregte, aber eindringliche Porträts, die unseren Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen widerspiegeln. Zudem zeigt die Künstlerin in Weiß gefasste Holzskulpturen.

Bliebe noch der in Verl lebende Syrer Abdulkader Khalil, ebenfalls ein Gast des Künstlerkreises. In seiner Heimat war er Sportlehrer. Die Malerei ist sein Hobby, das er mit surrealer Magie und versierter Technik betreibt. Mit Feinstift erschafft er überbordende Welten, in denen sich Menschen nach Licht und Freiheit sehnen, nach Geborgenheit, Liebe und Friede. Und doch scheinen in seinem vielschichtig gewobenen Gespinst fließender Linien immer wieder Bedrohungen zu wachsen. Auch das ein Spiegel unserer Zeit.

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