„Ich bin natürlich ein Stück weit enttäuscht“, sagte Michael Böwingloh (43), Vorsitzender des Kreisverbands aus Verl, der „Glocke“. „Mit etwas Abstand bin ich aber auch stolz, Teil des basisdemokratischen Prozesses gewesen zu sein“, erklärte Böwingloh, der den Mitgliederentscheid maßgeblich mit initiiert hatte. Im Kreisverband habe fast die Hälfte der 376 Mitglieder das Vorgehen mit der Unterschrift befürwortet.
„Die Gräben müssen wieder zugeschaufelt werden. Dazu sind wir bereit“, sagte der Verler. Es gelte jetzt, sich wieder den anderen Problemen und dem politischen Gegner zuzuwenden. Parteichef Dr. Philipp Rösler sei gestärkt aus dem Verfahren herausgegangen, müsse jetzt aber auch zeigen, wie er mit jenen 44,2 Prozent der Mitglieder umgehe, die gegen den Euro-Rettungsschirm gestimmt hätten.
Böwingloh weiter: „Die FDP muss jetzt deutlich rote Linien aufzeigen, was in Europa geht und was nicht.“ Euro-Bonds (Euro-Staatsanleihen) gehörten nicht dazu. Der Kreisvorstand wolle sich in einer Klausurtagung im Januar mit dem Mitgliederentscheid beschäftigen. Der nächste Kreisparteitag soll Anfang März stattfinden.
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Der Bundestagsabgeordnete Heiner Kamp (47), der schon im Bundestag für die Euro-Rettungspläne gestimmt hatte, erklärte: „Das Ergebnis der Mitgliederbefragung ist eindeutig. Nach einer harten Auseinandersetzung können wir nun wieder geschlossen eine klare Position vertreten.“ Die Personaldiskussionen müssten beendet und die Inhalte nach vorn gestellt werden. Kamp: „Außer der Europa-Frage warten auch Themen wie Bildung auf eine deutlichere Positionierung. Wir haben gute Lösungen. Die gilt es jetzt herauszustellen.“
Der Gütersloher Fraktionsvorsitzende Dr. Wolfgang Büscher (57) hat mit den Abweichlern gegen den Euro-Rettungsschirm gestimmt. Gleichwohl ist er nicht verstimmt: „Ich bin aufrechter Demokrat und nehme das Ergebnis zur Kenntnis.“ Für die FDP sei es nicht schlecht, dass sich der Parteivorstand durchgesetzt habe. Gleichwohl hegt Büscher wenig Hoffnung für Rösler: „Ich glaube, dass er sich noch ein paar Wochen hält und dass sich das Kapitel dann auch erledigt hat.“ Den Kreisvorsitzenden hingegen hält er nicht für beschädigt.

