Die Festrede hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Den Preis entgegen nahm Recifes Bürgermeister Joao da Costa Bezerra Filho. Die Bertelsmann Stiftung stelle mit dem Preis die entscheidende Frage der Demokratie, nämlich die nach mehr Teilhabe der Bürger, sagte Merkel.
Der Vorsitzende der Stiftung, Gunter Thielen, sprach von einem gewachsenen Einfluss der Bürger. Dennoch hätten klassische Formen des organisierten politischen Engagements wie Parteien an Attraktivität verloren. Das Gefühl mangelnder Mitwirkungsmöglichkeiten führe zu Parteien- und Politikerverdrossenheit.
|
|
Mit der Auszeichnung, die im Gedenken an den 2009 verstorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn vergeben wurde, wird die Einbindung der Einwohner Recifes in die Weiterentwicklung der Stadt gewürdigt. Seit 2001 beteiligen sich laut Stiftung dort jährlich mehr als 100.000 Menschen beispielsweise mit Vorschlägen zu städtebaulichen Maßnahmen am politischen Prozess. Auch könnten die Bewohner der Millionenstadt im Norden des Landes über einen Teil des Haushaltsbudgets bestimmen, weil der Stadtrat die Vorschläge der Bürger fast ausnahmslos umsetze.
Die 1977 gegründete Bertelsmann Stiftung gehört mit Ausgaben von mehr als 60 Millionen Euro im Jahr zu den größten Stiftungen Deutschlands und engagiert sich unter anderem in den Bereichen Medizin und Gesundheitswesen, Staat und Verwaltung sowie auf dem kulturellen Sektor.
Der in diesem Jahr erstmals ausgelobte Reinhard-Mohn-Preis hatte einen Vorläufer: Seit 1988 vergab die Bertelsmann Stiftung den Carl-Bertelsmann-Preis. Zu Ehren des im Oktober 2009 gestorbenen Stiftungsgründers wurde die Auszeichnung umbenannt. Sie ist in diesem Jahr dem Ziel „Demokratie vitalisieren - politische Teilhabe stärken“ gewidmet und mit 150 000 Euro dotiert. Gesucht wurden Projekte, die vorbildlich Demokratie beleben, unterrepräsentierte Bürger beteiligen und neue Formen demokratischer Problemlösung bieten.

