Messerstecher muss in die Psychiatrie
Bild: Neitemeier
Das Spezial-Einsatzkommando der Polizei kam am 13. März zum Einsatz, nachdem ein psychisch Kranker einen Mitarbeiter des Kreishauses verletzt hatte.
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Gütersloh (eff) - Vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld ist am Donnerstag das Urteil gegen den 28-jährigen Gütersloher gesprochen worden, der am 13. März einen Mitarbeiter des Kreises mit fünf Messerstichen schwer verletzte hatte. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik wurde angeordnet. Richter Christoph Meiring erklärte, der Beschuldigte sei für seine Taten krankheitsbedingt nicht verantwortlich, weil sowohl bei der Messerattacke als auch bei der Verletzung des Diakonie-Mitarbeiters am 14. November 2016 die Steuerungsfähigkeit beim Angreifer aufgehoben gewesen sei.

„Große Gefahr für die Allgemeinheit“

Die von Dr. Carsten Ernst, dem Verteidiger des Angeklagten, beantragte Aussetzung der Unterbringung auf Bewährung verwarfen die drei Richter und zwei Schöffen. „Sie haben während des Prozesses zwar einen guten Eindruck gemacht“, sagte der Vorsitzende Richter zum Verurteilten, „doch das reicht für eine Bewährungs-Chance nicht aus, weil wir es nicht verantworten können.“ In unbehandeltem Zustand bleibe der 28-Jährige eine „große Gefahr für die Allgemeinheit“, so Meiring. Die Angriffe könnten sich wiederholen, der Krankheitszustand bleibe behandlungsbedürftig. Darin folgte die Kammer den Ausführungen des Gutachters Christoph Veerkamp. „Von allein wird das selbstbestimmte Leben nicht funktionieren“, sagte der Richter.

Staatsanwältin und Verteidiger weitgehend einig

Weitestgehend einig waren sich die Staatsanwältin und der Verteidiger in der rechtlichen Bewertung der beiden Gewalttaten: einfache beziehungsweise fahrlässige Körperverletzung im Fall des angegriffenen Diakonie-Mitarbeiters und gefährliche Körperverletzung bei der Messerattacke im Kreishaus. „Dort sehe ich keinen Tötungsvorsatz, und es war ein glasklarer Rücktritt“, sagte die Staatsanwältin zur Situation, als der Verurteilte nichts mehr tat, als der Verletzte am Boden lag. Aber sie stellte auch heraus: „Die paranoide Schizophrenie besteht fort, und dem Angeklagten fehlt die Einsicht in seine Krankheit. Eine weitere vorläufige Unterbringung ist notwendig.“

 Rechtsanwalt Dr. Ernst begründete seinen Antrag auf Bewährung damit, dass sein Mandant heute in der Lage sei, sein damaliges Verhalten zu reflektieren und Unrechtseinsicht zu zeigen. Dirk Nelipowitz-Kronshage, der Anwalt des nach wie vor arbeitsunfähigen Kreis-Mitarbeiters, sagte zum Angeklagten: „Sie haben meinem Mandanten das Leben verbaut. Er verspürte beim Angriff im Kreishaus Todesangst und hatte letztlich Glück, dass er es überlebt hat. Denn wer so zusticht, nimmt den Tod des Angegriffenen in Kauf.“

Entschuldigung im Schlusswort

Der psychisch Kranke nahm das Urteil regungslos entgegen. In seinem Schlusswort holte er nach, was er an den zwei vorangegangenen Verhandlungstagen versäumt hatte: sich bei seinem ehemaligen Betreuer für den Messerangriff zu entschuldigen. „Es ist davon auszugehen, dass wir keine Revision einlegen“, äußerte sich Verteidiger Dr. Ernst.

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