Nachtjäger starten vom Fliegerhorst
Bild: Stadtarchiv, Herrmann
Ab 1944 wurde der Flugplatz bombardiert. Die Amerikaner hatten es bei den Angriffen in erster Linie auf die Flugzeuge abgesehen. Ein Großteil der Gebäude blieb weitgehend unbeschädigt.
Bild: Stadtarchiv, Herrmann

Mit Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939 ist die ruhige Zeit im Fliegerhorst an der Kreisstraße nach Marienfeld vorbei gewesen. Von Gütersloh wurden unzählige Kriegseinsätze geflogen. Die ersten Bomben auf den Fliegerhorst fielen am 19. April 1944. Schon ab 1940 hatte es erste Luftangriffe auf die Stadt Gütersloh gegeben.

In der Anfangsphase des Krieges diente Gütersloh als Auftank- und Servicestation für verschiedene fliegende Einheiten der Luftwaffe, die entweder auf dem Weg nach Polen waren oder von dort zurückkehrten. Als 1940 der Westfeldzug begann, wurden dabei auch Flugzeuge aus Gütersloh eingesetzt.

Dort war unter anderem die zweite Gruppe des Kampfgeschwaders (KG) 54 stationiert, die zuvor mehrfach umbenannt worden war. Im Februar wurde auch die zweite Gruppe des KG 4 nach Gütersloh verlegt.

Vom Fliegerhorst starteten am 14. Mai 1940 28 Heinkel He 111, um den Rotterdamer Hafen zu bombardieren. Nur ein Teil des sogenannten Totenkopfgeschwaders 54 konnte nach der Kapitulation Rotterdams zurückgerufen werden, andere Flugzeuge warfen ihre todbringende Fracht noch ab.

Mit Junkers Ju 52, die in Gütersloh abflogen, wurden Fallschirmjäger in Holland und Belgien abgesetzt sowie Material für die Bodentruppen herangeschafft.

Als das Deutsche Reich am 13. August 1940 England aus der Luft angriff, um die Luftüberlegenheit zu gewinnen, wurde viele Maschinen, die beschädigt zurückkehrten, in Gütersloh repariert. Im Ergebnis setzten die Briten Nachtbomber gegen strategische Ziele im deutschen Hinterland ein. Vor allem zum Schutz des Berliner Raums brachte die Luftwaffe daraufhin vermehrt Jagdflugzeuge zum Einsatz.

„Diese Nachtjägereinheiten mit Maschinen der Typen Me 109, Me 110, FW 190 und Ju 88 prägten von 1941 bis Kriegsende das Bild des strategisch günstig gelegenen Gütersloher Flugplatzes“, berichtet Dr. Wolfgang Büscher in seiner Dissertation über den Flugplatz.

Gerry Lewis schreibt in seiner Geschichte des Flugplatzes: „Die Hauptfunktion des Flugplatzes von 1941 bis 1944 war die einer Service- und Umbaustation für die deutschen Nachtjäger.“ Gütersloh habe die „Creme der deutschen Nachtflieger“ gesehen, schreibt Lewis weiter, selbst Offizier der Royal Air Force, und zählt auf: Radusch (65 Abschüsse feindlicher Maschinen), Hoffmann (52), Herget (72), Meuer (65), Prinz Sayn-Wittgenstein (83), Lent (110) „und der größte von allen deutschen Nacht-Assen, Heinz Wolfgang Schnaufer (121 Siege)“. Die Piloten wohnten in einem Camp an der Herzebrocker Straße – dort, wo gegenwärtig die zuletzt von Briten bewohnten Reihenhäuser stehen. Auch Oberst Werner Mölders (111 Abschüsse) hatte Gütersloh besucht, bevor er 1941 bei einem Absturz ums Leben kam.

Der Fliegerhorst hatte zeitweise als regionales Hauptquartier auch eine gewisse administrative Bedeutung über den Standort hinaus, wie Lewis berichtet. Dort lag die Verantwortung für eine Flugservice-Einheit in Paderborn, eine Flugschule in Detmold, kleinere Flugplätze in Lippspringe, Brackwede, Oerlinghausen und Minderheide sowie für eine Radiostation und einen Übungsplatz in Augustdorf.

Den kompletten zweiten Teil der Serie und Näheres zur Bombardierung des Flugplatzes bis Kriegsende lesen Sie am Samstag in der Gütersloher Ausgabe der „Glocke“.

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