Nerzzüchter klagt gegen strengere Vorschrift
Die Zucht von Nerzen ist seit Jahren umstritten. Jetzt sind die Vorgaben für die Haltung verschärft worden. Dagegen wehren sich die Züchter.

Die dort am 15. Dezember eingegangene Klage richtet sich zwar gegen den Kreis, zielt im Kern aber gegen die neue Nutztierhaltungsverordnung. Und: Das Verfahren ist kein Einzelfall. Rechtsanwalt Dr. Ronald Steiling von der Anwaltskanzlei Graf von Westphalen in Hamburg spricht von „acht bis neun“ Klagen in verschiedenen Bundesländern. Der Jurist kümmert sich auch um den Gütersloher Fall mit seinen 750 Muttertieren und dem entsprechenden Nachwuchs.

Mehr Fläche für die Tiere

Nach jahrelangen Übergangsfristen waren die neuen Vorschriften (Steiling: „Das politisch gewollte Aus der Nerzzucht.“) vor gut einem Monat in Kraft getreten. Nach ihnen muss jedem Tier mit einem Quadratmeter deutlich mehr Fläche als bisher zur Verfügung stehen. Auch dürfen Käfige nicht mehr über–einander gestapelt werden. Von 2016 an sollen die Haltungsbedingungen noch weiter verschärft werden, unter anderem sind dann auch Wasserbecken für die Tiere vorgeschrieben. Kurz nach Inkrafttreten der neuen Vorgaben hatte der Kreis Gütersloh die Nerzfarm in Spexard noch Angaben von Fachbereichsleiter Thomas Kuhlbusch unter die Lupe genommen – und beanstandet. Man habe den Betreiber aufgefordert, die Käfiggröße den neuen Bestimmungen anzupassen, sagte der Jurist. Ob es bei dem Betrieb früher schon Beanstandungen gegeben hat, dazu äußerte sich Kuhlbusch mit Verweis auf das laufende Verfahren und den Datenschutz nicht.

Betrieb läuft zunächst weiter wie bisher

Wann die Klage in Minden verhandelt wird, steht nach Angaben von Dr. Hans-Jörg Korte noch nicht fest. Derzeit würden Schriftsätze ausgetauscht. Einen Termin für eine mündliche Verhandlung gebe es noch nicht, so der Sprecher des Verwaltungsgerichts. Die Klage habe aufschiebende Wirkung, so dass der Betrieb bis zur Entscheidung zunächst wie bisher weiterlaufen dürfe. Der Betreiber zur „Glocke“: „Den Nerzen geht es gut.“ Laut Rechtsanwalt Steiling geht es bei den Klagen in erster Linie nicht um die neuen Platzvorgaben, sondern „um das Gesamtpaket und die ab 2016 erforderlichen Wasserbecken“. Die halten die Pelztierzüchter für nicht erforderlich und krankheitsfördernd. Aber, so Steiling: „Wer seine Anlage jetzt umgestaltet, muss diese Becken schon einplanen. Deswegen die Klagen.“

Deutliche Peta-Kritik

Der Interessenverband der Pelztierzüchter setzt im Rahmen der juristischen Auseinandersetzung auf ein Gutachten. Danach handelt es sich bei den Farm-Nerzen nicht um Wildtiere, sondern um domestizierte (gezähmte) Tiere. Erst vor wenigen Tagen hatte die Tierrechtsorganisation Peta, wie berichtet, in der Gütersloher Fußgängerzone gegen die Tierhaltung auf Pelzfarmen protestiert. Die neue Haltungsverordnung sei zwar ein erster Schritt, aber der Bund hätte die Pelzfarmen in Deutschland schließen sollen, wie es in Österreich und Großbritannien bereits der Fall sei, hieß es. Pelz sei ein unvorstellbar grausames Tierqualprodukt und müsse vom Verbraucher boykottiert werden, erklärten Peta-Vertreter. In Nordrhein-Westfalen gibt es laut Kuhlbusch insgesamt sechs Nerzfarmen, in Deutschland rund 20. Die neuen Bestimmungen könnten zur Aufgabe von Betrieben führen.

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  Antonietta Tumminello, Duisburg 31.01.2012 11:40:22
Nerzfarm: Ein Drahtkäfig mit einer durchschnittlichen Bodenfläche von 30 mal 90 Zentimetern ist das Gefängnis der Nerze, ein stinkender Brei aus Fisch‑ und Schlachthofabfällen ihr Futter. In Freiheit ist ihr Revier bis zu 20 Quadratkilometer groß. Hier leben sie ohne Wasser, obwohl das das Lebenselement frei lebender Nerze ist. Selbstverstümmelung gehört bei dieser Lebensweise dazu. Sieben Monate in dieser Enge auf den qualvollen Erstickungstod zu warten, ist ihr einziger Lebenszweck. Dann werden sie getötet. »Ernte« nennt man diesen Gewaltakt in der Pelzbranche…
  Stefan Klippstein, Köln 27.02.2012 14:15:33
Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. stellt Strafanzeige gegen Nerzfarm in Gütersloh Die Tierschutzorganisation „Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.“ hat Strafanzeige gegen den Betreiber der Nerzfarm in Gütersloh (NRW) gestellt. Nerze haben meist ein kurzes und qualvolles Leben in Deutschland. Sie werden auf Farmen in engen Drahtkäfigen gehalten. In freier Wildbahn ist ihr Revier bis zu 20 Quadratkilometer groß – in deutschen Farmen beschränkt sich ihr „Revier“ auf wenige Zentimeter nach vorne und zurück. Der „Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.“ kritisiert seit Jahren diese Haltung und fordert eine Schließung aller Nerzfarmen. Auch die Politik hatte die Zeichen der Zeit erkannt und änderte vor einigen Jahren die Tierschutznutztierverordnung – allerdings mit langen Übergangsfristen für Betreiber. Am 11.12.2011 endete solch eine Übergangsfrist, und den Nerzen müssen nun deutlich größere Käfige zur Verfügung stehen. „Dass die Pelzindustrie mit allen Mitteln versucht, das Gesetz zu umgehen, war abzusehen; schließlich bedeutet mehr Platz für Tiere weniger Profit für den Pelzfarmer. Aber: Gesetz bleibt Gesetz“, so Stefan Klippstein, Pressesprecher des „Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V.“ Der „Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.“ überprüft im Rahmen einer bundesweiten Recherche alle noch bestehenden Nerzfarmen auf die Einhaltung des Gesetzes. In Gütersloh (NRW) konnte dokumentiert werden, dass die Nerze weiterhin in engen Käfigen leiden – ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht. „Der Arbeitskreis humaner Tierschutz hat darum Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt und das Videomaterial als Beweis vorgelegt“, so der gelernte Tierpfleger Stefan Klippstein abschließend. Das erstellte Videomaterial kann hier eingesehen werden: http://www.tierschutzbuero.de/illegale-nerzfarmen/ Erst vor wenigen Tagen hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden, dass eine Nerzfarm in Nettetal (NRW) unverzüglich geschlossen werden muss, auch hier hatte die Tierschutzorganisation „Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.“ dokumentieren können, dass ein Verstoß gegen die Tierschutznutztierverordnung vorlag. Siehe auch: http://www.arbeitskreis-tierschutz.de/Startseite/Aktionen/Newsletter.htm Der Arbeitskreis hat in den letzten Wochen folgende Anzeigen gestellt: Am 09.01.2012 Anzeige beim Veterinäramt gegen die Nerzfarm in Nettetal (NRW) Am 07.02.2012 Strafanzeige gegen die Nerzfarm in Borken (NRW) Am 20.02.2012 Strafanzeige gegen die Nerzfarm in Wesenberg-Zirtow (Mecklenburg-Vorpommern) Am 20.02.2012 Strafanzeige gegen die Nerzfarm in Seelitz-Döhlen (Sachsen)
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