Olaf Schubert, das Wortwunder im Pullunder
Bild: Tschackert
„Sexy forever“ – der Name ist Programm in der der aktuellen Bühnenshow des Comedians und Kabarettisten Olaf Schubert, der in der Gütersloher Stadthalle gastierte.
Bild: Tschackert

Auf seiner aktuellen „Sexy forever“-Tournee machte der Comedian in der Gütersloher Stadthalle Station - und mehr als 600 Zuschauer hatten gut lachen. Das lag vor allem an dem gut durchdachten Programm. Comedy und Kabarett zusammen geht nicht? Bei Olaf Schubert schon. Er kriegt beides unter einen Hut – mit gewieftem Wortwitz. Allerdings entfaltet so manche Pointe ihre satirische Schärfe erst im zweiten Moment – was durchaus daran liegen kann, dass sie gut getarnt in Schuberts sanftem Singsang mit sächsischer Klangfarbe schlummert.

Der fast 50-Jährige kann sympathisch und böse zugleich sein, wenn er sich den alltäglichen Problemen „Krisen, Katastrophen, Koitus“ zuwendet. So beklagt er: „Der deutschen EU fehlt nach 60 Jahren ein klares Feindbild“ und versucht mit Blick auf dudelnde Panflötenartisten Peru ins Visier zu nehmen. „Dann ist wieder Ruhe an den Bahnhöfen.“

Zum Thema Altersarmut zitiert er Karl Marx, der gesagt hat, dass jede Form von Armut in Kriminalität umschlage. „Beim Banküberfall weiß dann die Omi nicht mehr, wo sie ihren Fluchtrollator abgestellt hat.“ 

 Er beschwert sich über die „Globolisierung“ in der Medizin durch die kleinen Kügelchen, webt Zwischenmenschliches aus seinem Beziehungsleben wie Fehltritte und Trennung von Dauerfreundin Carola ein, um dann zu verraten, wie er seine neue Freundin Pamela mit dem Telefonnummern-Trick kennengelernt hat: „Hey, rate mal welche Nummer ich habe. Die Vorwahl fängt mit Null an und dann kommt eine Primzahl . . .“

 Das Publikum quittiert diese Momente johlend. Schließlich will auch die Plattitüde bedient werden. Mal eindeutig, mal zweideutig, mal Zote, mal scharfsinniger Esprit. Und nie weiß man so richtig, wann der Mann es ernst meint. Vielleicht wenn er übers kollektive Dresdener „Muselmanengruseln“ schwadroniert oder den dortigen „braunen Feinstaub“ beschreibt.

 So gut Schuberts Gespür, Pointen nicht überzustrapazieren auch sein mag, manchmal tut er des Guten doch zu viel. Davon können seine Begleiter, Bassist Bert Stephan und Gitarrist Jochen M. Barkers, die mehr als nur musikalische Staffage sind, ein Lied singen. Vor allem Letzerer musste sich so mancher Verbalattacke des mehrfach für den deutschen Comedy-Preis nominierten Künstlers erwehren. Und mit seinen Liedern ging Schubert hart an die Belastungsgrenze des Publikums. Trotzdem – viel Applaus.

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