Produktion bei Marten vor dem Aus
Bild: Dinkels
Bis 1855 reicht die Geschichte des traditionsreichen Wurstwarenherstellers Marten an der Bismarckstraße zurück. Jetzt droht der Standort Opfer des scharfen Wettbewerbs auf dem Markt für Wurstwaren zu werden.
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 „Der Standort stellt die Produktion ein“, sagte Gaby Böhm, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Bielefeld, am Mittwoch der „Glocke“. Die Mitarbeiter sollen als Leiharbeiter an andere Standorte der Zurmühlen-Gruppe in der Region vermittelt werden: an Nölke in Versmold, Schulte in Dissen sowie an Vogt und Wolf an der Herzebrocker Straße. Sie erhielten auch weiter die Leistungen wie bisher, für sie gelte der Haustarif fort. Die Regelung sei nicht befristet.

Es sei das Maximale, was bei den Verhandlungen herauszuholen gewesen sei. Die Beschäftigten hätten die Nachricht mit gemischten Gefühlen aufgenommen, seien aber froh, nicht arbeitslos zu werden, sagt Gaby Böhm. Die Entfernung zur Arbeitsstätte werde sich bei dem einen oder anderen je nach Wohnort ändern. Der Gewerkschaft sei wichtig gewesen, dass die Mitarbeiter weiter Arbeit hätten. Bei diesen Gesprächen sei es „nur um Marten“ gegangen, nicht um den Schwesterbetrieb Vogt und Wolf, so Böhm.

Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte wollte die Angaben der Gewerkschafterin nicht bestätigen. „Es gibt keine Entscheidung über die Schließung des Werks“, sagte er der „Glocke“ auf Nachfrage. „Die Gespräche zur Umstrukturierung des Produktionsstandorts von Marten in Gütersloh werden aktuell fortgesetzt.“ Darüber seien die knapp 90 Mitarbeiter am Dienstag informiert worden. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, welche Produkte an welchen Standorten produziert würden. Aktuell würden deshalb auch individuelle Gespräche mit allen Mitarbeitern geführt, um über „Einsatzmöglichkeiten an verschiedenen Standorten zu sprechen“.

„Wir wollen die Marke Marten mit ihren Produkten erhalten. Daher sind wir aktuell mit unseren Kunden und natürlich auch mit den Mitarbeiten im Gespräch. Das braucht aber Ruhe und etwas Zeit“, erklärte Vielstädte weiter. Die Gespräche über die Zukunft von Vogt und Wolf würden ebenfalls weitergeführt.

Die Zurmühlen-Gruppe, die mehrheitlich zum Fleischkonzern Tönnies gehört und nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer bei SB-Wurst und Wurstkonserven ist, hatte die Schwesterbetriebe Marten sowie Vogt und Wolf mit insgesamt rund 300 Beschäftigten mit dem Einverständnis des Kartellamts übernommen.

Dass die Übernahme in einem umkämpften Markt nicht ohne Einschnitte vonstattengehen würde, war seit der Ankündigung Anfang Mai klar. Was im Fall eines Produktionsstopps aus der innenstadtnahen Immobilie werden würde, war bisher nicht zu erfahren. 2015 hatten Marten und die Stadt einen Tausch von Parkflächen vorgenommen.

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