RAF-Abfangjäger im Dauereinsatz
 Bild: Erich Westersötebier via Verein zur Dokumentation der Luftfahrtgeschichte in Gütersloh
Start mit vollem Schub: Von 1965 bis 1977 waren Lightnings in Gütersloh stationiert. Sie waren ständig in der Luft und sehr laut. Dieses Bild zeigt eine startende Maschine im Oktober 1973.
 Bild: Erich Westersötebier via Verein zur Dokumentation der Luftfahrtgeschichte in Gütersloh

Davon handelt der vierte Teil der „Glocke“-Serie zum Flugplatz Gütersloh:

„Von Juli 1945 an bemühte sich eine Einheit der Royal Air Force um die Wiederherstellung des Fliegerhorsts als voll einsatzfähige Basis“, berichtet Dr. Wolfgang Büscher. Etwa 200 Soldaten hätten nach dem Zweiten Weltkrieg mit Luftwaffenhelfern am Wiederaufbau und an der Reparatur der teils zerstörten Gebäude gearbeitet. Auf dem Gelände gab es nach dem Krieg auch Lager für deutsche Kriegsgefangene, die teils in Arbeitszügen am Wiederaufbau beteiligt wurden. Nach vier Monaten wurde das Airfield Y 99 für betriebsbereit erklärt.

Im Sommer 1946 begann der Bau einer betonierten Rollbahn. Die fliegenden Einheiten kamen in der Zeit auf einem Flugplatz bei Münster (Handorf) unter. Die Luftwaffe hatte zuvor nur über eine befestigte Graspiste verfügt. Die Rollbahn war 1828 Meter lang und 45,7 Meter breit. Mit wasserfestem Papier wurde sie gegen den sandigen Untergrund abgedichtet. Auch heimische Firmen waren am Ausbau beteiligt. Aber schon in den 50er-Jahren und später immer wieder musste die Rollbahn repariert werden – vor allem wegen des instabilen Untergrunds.

1960/61 wurde die Start- und Landebahn auf 2252 Meter und ihre endgültige Länge gebracht. „Damit wurde Gütersloh vollwertiger Nato-Flughafen“, so Büscher. Dort konnte auch eine Boing 747 landen. Die letzte größere Reparatur erfolgte 1978/79 zeitgleich mit dem Bau eines neuen Abfertigungsgebäudes mit 260 Plätzen für zivile Flüge nach Großbritannien. Das Gebäude wurde später als Post genutzt.

Nach und nach wurde der Flugplatz für die militärischen Zwecke ausgebaut und um eine Hubschrauberhalle ergänzt. Die erweiterten Flugzeughangars stammten noch von der deutschen Luftwaffe. Über eine Zweigleitung wurde der Flugplatz mit der Nato-Pipeline für Brennstoffe verbunden.

Laut Büscher waren in 48 Jahren RAF in Gütersloh 14 Flugzeugtypen stationiert. Fotos dazu finden sich auf der Internet-Seite der Spotting-Group Gütersloh. Die ersten Maschinen waren Mosquitos FB6. Seit 1963 kamen auch Hubschrauberstaffeln hinzu. Von 1965 bis 1977 waren in Gütersloh Einheiten mit Lightning-Kampfflugzeugen stationiert. Sie waren besonders laut und sind älteren Güterslohern deshalb noch in Erinnerung. Ihre Piloten hatten unter anderem die Aufgabe, die innerdeutsche Grenze zu überwachen. Zwei Maschinen befanden sich in ständiger Alarmbereitschaft – mit laufenden Motoren.

Die Freude lärmgeschädigter Anwohner über ihren Abzug wurde getrübt durch die Stationierung von Harriern. Die Senkrechtstarter waren nicht minder laut und führten für weitere 16 Jahre zu Lärmbelästigungen im Umfeld des Flugplatzes. Wegen des Nato-Status waren in Gütersloh stets auch Einheiten anderer Mitgliedsländer mit ihren Maschinen zu Gast. Die meisten Flugbewegungen wurden 1986 gezählt: In dem Jahr waren es insgesamt 58 369, durchschnittlich also 160 am Tag.

Den kompletten vierten Teil der Serie lesen Sie am Samstag in der Gütersloher Ausgabe der „Glocke“.

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