Sicher durch den musikalischen Sturm
Mit viel Applaus wurde die Matinee zum zehnjährigen Bestehen des Knabenchors im Theater Gütersloh gefeiert.

 Und der bot nicht nur ein beeindruckendes Programm, sondern auch einen erneuten Beweis seines großartigen Könnens. Aus voller Kehle legte der Konzertchor der 28 Knaben mit drei deutschen Volksliedern, am Klavier begleitet vom Chorleiter Sigmund Bothmann, los.

Standen die Jungen bei „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ noch etwas schlapp und mit hängenden Schultern da, so änderte sich das flugs in Johann Sebastian Bachs „Lobet den Herrn, alle Heiden“, die zu dessen stimmtechnisch anspruchsvollsten Motetten gehört. Unter der Leitung von Leopold Schmid intonierte der durch Männerstimmen erweiterte Knabenchor in Begleitung von Truhenorgel (Bothmann) und Cello (Felix Zimmermann) die Pracht des Psalms absolut überzeugend. Keinen Augenblick zögerlich, setzte Schmid auf ein frisches Tempo ohne Hast.

 Selbst die ernsten Gesichter konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Jungs großen Spaß am Singen haben. So waren sie in Giachino Rossinis gefühlvollem „La Fede“ (Treue) und der aufbegehrenden „La Speranza“ (Hoffnung) mit blitzesauberen, wohlklingenden Stimmen voll in ihrem Element. Getragen wurden sie dabei vom nuanciert lebendigen Klavierspiel ihres Chorleiters.

Wandelfähigkeit wird den Jungen von ihrem Leiter ohnehin immer abverlangt. Und so wussten die Solostimmen zusammen mit der Sopranistin Cornelie Isenbürger in drei Szenen aus Mozarts „Zauberflöte“ aufzutrumpfen – am Klavier begleitet von Fred Oldenburg vom Ensemble „L’arte del mondo“. Es war schon erstaunlich, wie locker die drei Solostimmen sich selbst in hohen Tonlagen bewegten. Und das liegt nicht zuletzt an der intensiven stimmlichen Ausbildung.

Mit Mozart und seinen „Sechs Praterkanons“ erlebten die begeisterten Besucher im fast ausverkauften Theater wahre Gassenhauer, die wegen ihrer Derbheit und heiteren Fröhlichkeit zu Mozarts bekanntesten Stücken gehören. Mozart sei ein „lebenslustiger, ja fast kindlicher Mensch“ gewesen, so Chorleiter Schmid, was sich besonders in dem Freistädtler Kanon äußerte, dessen skurriler Text im Wiener Dialekt für Erheiterung sorgte. Jedoch wie selbstbewusst stellten sich die Jungen auch dieser Herausforderung: Sie glänzten in harmonischen Vierstimmigkeit.

Parabel auf die menschliche Eitelkeit

Den Höhepunkt des Konzerts gab es zum Abschluss mit „The Golden Vanity“ (Goldene Eitelkeit), ein Stück, das Benjamin Britten 1966 für die Wiener Sängerknaben komponiert hat. Anspruchsvoll ist die Vertonung dieser Seeräubergeschichte, die von Aufopferung und Mut, von Heuchelei und Verrat als Parabel auf die menschliche Eitelkeit erzählt. Der Konzertchor war dafür aufgeteilt in die habgierige britische Mannschaft sowie die Seeräuberbande und bestach durch seine stimmliche und schauspielerische Leistung.

Auf hohem Niveau erlebte man als Solisten Henri Flöttmann, Orpheus Jeremia Bothmann, Jacob Marek, Aaron Stolzmann und Felix Reinkemeier, die schwierige Passagen in hohen Stimmlagen bravourös meisterten. Sie waren stimmlich und mimisch bestens vorbereitet worden von ihren Chorleitern und dem Berliner Regisseur Michael Hoffmann. Minutenlanger, kräftiger Applaus des Publikum erkannte diese Leistung an. Die verdankt sich nicht zuletzt dem Einsatz und hohen Anspruch eines engagierten Chorleiters wie Sigmund Bothmann.

Im Anschluss an das Konzert lud der Förderverein die Zuhörer noch ein, im Zelt vor dem Theater bei selbst gebackenem Kuchen noch ein wenig weiterzufeiern. Und wie sich das für einen Chorgeburtstag gehört, wurde natürlich auch gesungen. Gemeinsam, versteht sich.

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