Stadtmuseums-Leiter verschiedet sich
Bild: Pieper
Blick zurück mit großer Zufriedenheit: Dr. Rolf Westheider  verabschiedet sich am Sonntag, 26. März, nach 14-jähriger Tätigkeit als Leiter des Gütersloher Stadtmuseums.
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„Die Glocke“: Herr Dr. Westheider, was bedeutet Ihnen dieser Raum?

 Westheider: Er zeigt, was Gütersloh im Spannungsfeld von Protestantismus und Katholizismus geprägt hat. Nicht nur religiös, sondern auch politisch und sozial. Der Förderalismus hält sich in Grenzen. Da gab es immer mehr Partikularismus, also kleinere Einheiten, die ihre Interessen dem Ganzen gegenüber durchzusetzen versucht haben.

„Die Glocke“: Das heißt?

Westheider: In Gütersloh muss immer viel Kleinteiliges organisiert werden. Da kann es dauern, bis es mal zu einem großen Wurf kommt, bis die Menschen sehen, dass eine große Lösung für alle gut sein kann. Das Theater ist das beste Beispiel. „

Die Glocke“: Inwieweit hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Westheider: Ich habe gelernt, dass man keine zu kühnen Pläne schmieden darf.

„Die Glocke“: Das klingt frustriert.

Westheider: Nein, so ist das nicht gemeint. Manchmal ist es vielleicht auch ganz gut, wenn große Ideen nicht realisiert werden. Man weiß ja nie, welche Verantwortlichkeiten daraus erwachsen. Außerdem bringt der Partikularismus eine ungeheure Vielfalt in und für Gütersloh. Hinzu kommt ein natürlicher Wohlstand, der den Ort sehr attraktiv macht. Das muss man als ein im Kulturbetrieb Tätiger wissen und bestmöglich nutzen.

„Die Glocke“: Was war denn Ihr Traumprojekt?

 Westheider: Ein „Wortlabor für Gütersloh“. Unter diesem Titel hätte ich mir als dritten Bauabschnitt neben der Sammlung im Backsteingebäude und der Ausstellungsfläche im Fachwerkhaus ein Museum zur Geschichte des heimischen Druckwesens gewünscht. Es gab dafür auch schon Pläne. Es sollte ein Durchgang zum Haus Kökerstraße Nr. 5 bis hin zum Bankery geben, um die entsprechenden Exponate unterzubringen.

„Die Glocke“: Für eine Bertelsmann-Schau?

Westheider: Nicht nur. Natürlich wären mehr als nur Druckmaschinen von Bertelsmann gezeigt worden oder auch Wissenswertes über Ariola. Aber das hätte man jenseits tradierter musealer Präsentation ausweiten können bis hin zur interaktiv nutzbaren Dokumentation moderner phonotechnischer Unterhaltungsindustrie. „Wortlabor“ war das Stichwort.

„Die Glocke“: Ist das Projekt an den Kosten gescheitert?

Westheider: Nein, es gab keinen Kostenplan, nur die Idee, die aufgrund mangelnder Entschlossenheit im Sande verlief. Aber vielleicht wäre das Stadtmuseum mit seinen Strukturen damit auch überfordert gewesen.

„Die Glocke“: Hat sich die Trägerschaft des Heimatvereins bewährt?

Westheider: Absolut. Sich auf das Engagement dieser Ehrenamtlichen verlassen zu können, hat Handlungsspielräume gebracht. Ein Stadtmuseum als Element der kommunalen Verwaltung wäre nicht gut. In hierarchischen Strukturen kann keine Kultur gedeihen. So aber haben wir, vor allem mit Unterstützung von Renate Horsmann, vieles gewuchtet und neue Darstellungsformen gefunden.

„Die Glocke“: .. . als da wären?

Westheider: Wir haben den Fokus nie nur auf die lokale Historie und deren namhafte Familien gelegt, sondern durch Sonderausstellungen immer wieder versucht, die Geschichte normaler Bürger zu zeigen. Wir haben das Schicksal der Vertriebenen ebenso aufgearbeitet wie das der Gastarbeiter oder der Zuzügler aus der DDR in den 90er-Jahren. Nicht zu vergessen die große Stasi-Ausstellung 2003 in Kooperation mit dem Mohn-Berufskolleg. Da hatten wir in drei Wochen 7600 Besucher. Unglaublich! Die Leute waren berührt und bereit, ihre eigene Geschichte zu offenbaren. Das Museum wurde zu einem Kommunikationsort und das, was wir gezeigt haben, wurde bedeutungsvoll für den Einzelnen. Echte Höhepunkte für mich.

Welche Zukunft er für das Museum sieht und was er am liebsten mitnehmen möchte, lesen sie in der „Glocke“ vom 25. März.

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