Traceure freuen sich über Hindernisse
Bild: Dünhölter
Warum die Stufen benutzen, wenn es auch direkt über das Geländer geht? Malte Lucietto zeigte den anderen Traceuren und Besuchern, was er so alles draufhat.
Bild: Dünhölter

Er fliegt durch die Luft. Mit einem Riesensatz überwindet der junge Mann die Distanz, bekommt den äußeren Handlauf der Brüstung in die Finger, zieht sich im Hocksprung hinüber und landet wie geplant auf dem Treppenabsatz in gefühlten drei Metern Höhe. Unten brandet der Beifall von einigen Zuschauern auf. Profis nicken anerkennend mit den Köpfen, andere atmen erleichtert auf. Die Schaumstoffmatte am Boden bleibt ungenutzt.

Für Sportler wie Malte bedeuten Sprünge auf, über, von, zwischen Würfeln, Paletten-Stapeln, Gestängen und Autos kein Wagnis – es gehört zu ihrer Sportart, und die heißt Parkour. Mehr als 200 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus ganz Deutschland trafen sich an diesem Wochenende zum vierten Parkour-Camp auf dem Gelände der Janusz-Korczak-Gesamtschule.

Organisator Björn Otto, Sozialpädagoge am Bauteil 5: „In dieser Trendsportart geht es darum, Hindernisse zu schnell wie möglich zu überwinden. Jeder macht es nach seinen Möglichkeiten, ganz so, wie er Lust hat.“ Wie sie auf den auf dem Schulhof sowie in der Turnhalle aufgebauten Hindernissen, Kästen und ausrangierten Autos landen, balancieren und springen, blieb den sogenannten Traceuren selbst überlassen. Weil es sehr viel um Eigenmotivation, Kreativität, Körperbeherrschung, Mut und Überwindung geht, gibt es – anders als in anderen Sportarten – keine Sieger oder Besiegte.

Björn Otto: „Jeder will an seine Grenzen gehen und besser werden. Trotzdem spielt der Leistungsgedanke eine untergeordnete Rolle. Parkour ist eine Sportart, in der es nicht um höher, schneller, weiter geht, sondern primär darum, Spaß zu haben. Das fasziniert die Sportler, deshalb ist die Stimmung so gut.“

Die einzige Differenzierung zwischen den überwiegend jungen Sportlern besteht in der Einstufung in drei Leistungsklassen. Die Anfänger machen ihre ersten vorsichtigen Versuche in der Turnhalle an gut gepolsterten weichen Hindernissen. Die Fortgeschrittenen und die Professionals rollen sich draußen über Autos ab, drehen Schrauben in der Luft, springen von Hindernissen auf Autodächer, rollen über Plattenstapel, probieren immer neue Übungen, Variationen und Schwierigkeitsgrade. Dabei konzentrierten sich die Gütersloher Körper- und Bewegungskünstler ganz im Sinn von David Belle, Erfinder der Sportart, auf „elegante, effiziente, geschmeidige, flüssige Bewegungen“.

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