Wachstumsimpulse für Arvato
Bild: Dinkels
Für den Kunden Sennheiser hat Arvato an der Autobahn eine neue Logistik-Halle gebaut. Bei der Eröffnung durchtrennten (v. l.) Sennheiser-Projektleiterin Heidrun Streich, der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Andreas Sennheiser, Arvato-Chef Achim Berg und Frank Schirrmeister (Arvato Geschäftsbereichsleiter für Distribution und Logistik) das rote Band.  Bilder: Dinkels
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Netrada ist ein Internet-Dienstleister für die Modebranche. Für Kunden wie Esprit, C&A Tommy Hilfiger, Versace und Hugo Boss betreibt das Unternehmen die Online-Shops, kümmert sich um Transport, Logistik und Abrechnung sowie den Kunden-Service („Die Glocke“ berichtet am Freitag).

Die Übernahme passe perfekt in die Wachstumsstrategie von Arvato, sagte Berg: „E-Commerce ist der Zukunftstrend.“ Die Wachstumsraten seien deutlich zweistellig und am höchsten in der Modebranche. Laut Prognosen wachse der Markt europaweit von 28 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf gut 50 Milliarden im Jahr 2016.

Mit Netrada übernimmt Arvato mehr als 2000 Beschäftigte und mehr als 200 Millionen Euro Umsatz. Das Geschäft soll mit dem eigenen, in Gütersloh beheimateten E-Commerce-Bereich zusammengelegt werden. Dazu zählen rund 1500 Mitarbeiter mit einem Umsatz von etwa 150 Millionen Euro und den Schwerpunkten Kosmetik und Elektronik. Arvato steige damit zu einem führenden Anbieter in Europa auf, sagte Berg. Der Kauf sei eine der größten Transaktionen von Arvato. Die Frage nach dem Preis beantwortete Berg nicht.

Aus der Übernahme ergäben sich Synergieeffekte von einem „deutlich einstelligen Millionenbetrag“. „Die Arbeitsplätze bleiben bestehen. Wir haben sowohl in Gütersloh als auch in Hannover langfristige Mietverträge unterschrieben“, versicherte der Vorstandsvorsitzende. Auch mit den Kunden habe man sich auf langfristige Verträge geeinigt.

Voraussetzung für die schnelle Übernahme sei gewesen, dass Arvato sich in den vergangenen Monaten in sieben Bereiche neu aufgestellt habe, erläuterte der seit April amtierende Vorstandschef. Im Management von Kundenbeziehungen sei man Marktführer in Deutschland. Finanzdienstleistungen seien ein „hochinteressanter Wachstumsmarkt“. Weitere Bereiche sind Distribution/Logistik (Supply Chain Management), IT-Dienstleistungen (Arvato Systems), Druck (Mohn Media), die Vervielfältigung von Datenträgern (CD, DVD, Blu ray) und digitales Marketing (Adressmanagement). Der E-Commerce-Dienstleister wird von Niels Weithe (47) geleitet.

Wie Berg weiter ausführte, passt die Akquisition auch in die von Vorstandschef Dr. Thomas Rabe ausgerufene Bertelsmann-Strategie. An drei von vier Zielrichtungen, nämlich Stärkung der Kerngeschäfte, digitale Transformation der Geschäfte und Wachstumsplattformen, „kann ich einen Haken machen“, sagte Berg. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Zum abgelaufenen Geschäftsjahr wollte sich der Arvato-Chef noch nicht äußern.

Kunde Sennheiser

In der Rekordzeit von knapp sieben Monaten hat Arvato an der Autobahn eine neue Logistik-Halle hochgezogen. Sie wird ausschließlich für den Neukunden Sennheiser genutzt, für den Arvato weltweit die Logistik übernimmt. Die Sennheiser-Gruppe nimmt mit Kopfhörern, Mikrofonen und kabellosen Übertragungssystemen nach eigenen Angaben weltweit eine führende Marktposition ein.

Die Produktpalette umfasst rund 3000 Artikel, von denen etwa 2000 ständig in der Halle an der Autobahn vorgehalten werden. Von Gütersloh aus werden Kunden in Europa, im Mittleren Osten und in (Süd-)Afrika beliefert. Weitere Logistikstandorte wird Arvato in Hongkong für Asien sowie in den USA betreiben.

„Wir haben einen Partner gesucht, der auch in Zukunft die notwendige Kompetenz mitbringt“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Andreas Sennheiser am Freitag bei der Einweihung der Halle. „Wenn Sie wollen, können wir auch noch wachsen. Platz ist da“, entgegnete Arvato-Vorstandschef Achim Berg.

Die Lager- und Distributionshalle hat eine Grundfläche von 6100 Quadratmetern, ist 12 Meter hoch und hat 6,6 Millionen Euro gekostet. 60 Arvato-Mitarbeiter sind dort für Sennheiser tätig. Bis zu 44 000 Artikel auf bis zu 220 Paletten können das Gütersloher Lager pro Tag verlassen.

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