Weltreise im Wohnzimmer macht Schule
Bild: Dünhölter
Treffen in Gütersloh: (v. l.) Catrin Geldmacher (Vorsitzende und Ideengeberin), Maryline Cavois (Haus der Familie Münster), Elvina Lisboa (Gastgeberin), Bernd Habighorst (Reisender), Muriel de Froot (VHS Kleve) und Dr. Elmar Schnücker (Pädagogischer Leiter der Volkshochschule Gütersloh).
Bild: Dünhölter

Die Idee ist auf Völkerverständigung, ein friedliches Miteinander, gegenseitiges Kennenlernen sowie das Hineinschnuppern in fremde Länder und ferne Kulturen angelegt. Seit den Anfängen im Jahr 2011 hat sie landesweit immer mehr Freunde und Nachahmer gefunden.

Bei der „Weltreise durch Wohnzimmer“ öffnen Privatleute mit Migrationshintergrund (sogenannte Reiseleiter) an einem zuvor festgelegten Termin für zwei Stunden ihr Wohnzimmer für Reisende (Gäste) und stellen ihr jeweiliges Heimatland mit Speisen, Geschichten, Erzählungen und Gerüchen vor. Am 17. Januar 2015 gründete sich daraus der gemeinnützige Verein „Weltreise durch Wohnzimmer“. Deutschlandweit wurden bislang 219 Wohnzimmerreisen unternommen.

In der Vereinschronik wird jedoch auch der 5. März 2016 künftig einen festen Platz haben. Im Rahmen der ersten Bundeskonferenz kamen am Samstag mehr als 60 Teilnehmer aus 22 deutschen Städten sowie 18 Herkunftsländern zum Erfahrungsaustausch und Kennenlernen in der Gütersloher Volkshochschule (VHS) zusammen.

Der Ort war dabei laut Initiatorin Catrin Geldmacher nicht zufällig gewählt: „Die Gütersloher VHS war als Reiseveranstalter einer der ersten Projektpartner. Von hier aus fing die Idee 2012 an, ihre Kreise zu ziehen.“

Laut Dr. Elmar Schnücker, Pädagogischer Leiter der VHS, wurden seit 2010 etwa zehn „Wohnzimmerreisen“ unter anderem nach Georgien, China, England und Finnland organisiert. Selbstredend ging im Rahmen des buchstäblich bunten, vielfältigen und multikulturellen Treffens auch der Blick zurück. Wie so oft spielte der Zufall dabei die entscheidende Rolle.

2011 besuchte die Rheda-Wiedenbrücker Deutschlehrerin Catrin Geldmacher auf privater Basis ihre irakischen Schüler in deren Zuhause. Schnell kam die Rede auf das Herkunftsland, die Familie sowie persönliche Eindrücke und Erlebnisse. Für die Pädagogin ein einschneidendes Erlebnis: „Was ich dabei erlebt habe, war so wunderbar, dass ich es nicht nur nicht vergessen konnte, sondern auch andere Menschen in den Genuss kommen lassen wollte, andere Länder und Kulturen auf rein privater Ebene, sozusagen auf Augenhöhe, kennenzulernen.“

Mittlerweile ist die Reisewelle auf 36 deutsche Städte übergeschwappt. Es gibt auch Kooperationsnachfragen aus Kanada und Polen. Als Koordinierungsstelle wirken dabei außer der Internetseite des Vereins mit aktuellen Reiseangeboten oft Institutionen wie Volkshochschulen mit.

Immer wieder anziehend

Dr. Elmar Schnücker erläutert den Grund: „Volkshochschulen sind die Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zusammenkommen, gemeinsam lernen und sich so nebenbei kennenlernen.“ Wie viele andere auch, hat die Faszination des multikulturellen Austauschs, des friedlichen Miteinanders den Bielefelder in seinen Bann gezogen. Seit zwei Jahren nimmt der 50-Jährige überall in Deutschland gemeinsam mit seiner Frau gezielt an Wohnzimmerweltreisen teil. Gemeinsam hat das Ehepaar schon Chile (in Bielefeld), Kolumbien (in Kleve), Syrien (in Bremen) sowie rund 20 bis 22 andere Länder „bereist“. Die magnetische Anziehungskraft sei immer wieder neu.

Bernd Habighorst: „Es ist immer wieder anders und neu. Das gehört auch zu unserer Individualität, wir Menschen dürfen anders sein.“ Am Prozess des Spiegelvorhaltens gefällt dem Seminarleiter besonders: „Es ist eine tolle Möglichkeit unsere Normalität mit Reichtum, Frieden und Geborgenheit nicht als Normalität anzusehen, sondern als Geschenk.“ Er zeigt sich überzeugt: „Wenn Menschen sich friedlich begegnen, haben sie die Chance, auch friedlich miteinander umzugehen.“ Der Schmelztiegel der ersten Bundeskonferenz lieferte dafür ein schönes Beispiel.

Weitere Informationen: www.weltreisedurch.de

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