Witthoff-Historie reicht 125 Jahre zurück
Leidenschaft für Spielzeug: (v. l.) Brigitte Gellermann mit ihrer Tochter Mareike sowie den Mitarbeitern Björn Menneken, Evelin Engel und Monika Winter vor dem Traditionsgeschäft Witthoff im Haus Königstraße 8.

„Nicht selten ist es richtige Knochenarbeit“, sagt Brigitte Gellermann. Gemeinsam mit ihrer Tochter Mareike als Geschäftsführerin leitet sie das Traditionsgeschäft Spiel und Freizeit Witthoff an der Königstraße.

Vor 44 Jahren hat Brigitte Gellermann mit ihrem Mann Reinhold das Geschäft an der Königstraße übernommen. „Meine Patentante Johanna Eickholt, die keine eigenen Kinder hatte, hat mich damals gefragt, ob ich ihr Geschäft weiterführen möchte“, erzählt Brigitte Gellermann. In diesem Jahr feiert sie gemeinsam mit ihrer Tochter, dem Team aus 13 Mitarbeitern und mit den Kunden das 125-jährige Bestehen des Familienunternehmens.

Die Trauer um Reinhold Gellermann, der vor einem Jahr unerwartet gestorben ist, ist bei Ehefrau und Tochter noch frisch. Noch Anfang 2016 hatte Reinhold Gellermann seine Pläne für einen Neubau am Standort vorgestellt, um Spiele Witthoff attraktiv und wettbewerbsfähig zu halten. Mareike und Brigitte Gellermann blicken aber optimistisch in die Zukunft. Die Neubaupläne haben sie zunächst verschoben.

Es solle erst wieder etwas Ruhe in den Betrieb einkehren, erklärt Mareike Gellermann. Der Vater habe so intensiv für das Traditionsgeschäft gearbeitet. Diese Aufgaben müssten nun sie selbst und ihre Mutter mitstemmen.

„Auf das Jubiläum hat uns die Industrie- und Handelskammer aufmerksam gemacht“, sagt Mareike Gellermann. Ein genaues Datum sei nicht mehr auszumachen, aber das Gründungsjahr 1892 sei urkundlich festgehalten. Die 35-Jährige selbst erinnert sich vor allem an die vergangenen 30 Jahre im Haus an der Königstraße. „Ich bin praktisch im Laden aufgewachsen“, erzählt sie.

Mit Spielzeug, Stofftieren, Puppen und Kinderbüchern im Überfluss groß geworden, wollte sie als junge Erwachsene eigentlich beruflich einen anderen Weg einschlagen. „Ich habe eine Ausbildung zur Zahntechnikerin gemacht. Als ich dann ein paar Jahre hier raus war, habe ich gedacht: So schlecht ist es doch gar nicht, mit der Familie zu arbeiten.“

Mareike Gellermann holte das Fachabitur nach und machte den Abschluss als staatlich geprüfte Betriebswirtin am Carl-Miele-Berufskolleg. 2006 stieg sie als nächste Generation bei Witthoff ein. „Ich habe alle Abteilungen durchlaufen.“ Von den Baby- und Kleinkindartikeln mit Greiflingen und Steckspielen ging es zu den Gesellschaftsspielen. „Da sind auch anspruchsvolle Strategie-Spiele für Erwachsene im Angebot“, sagt die Chefin. Man müsse sich auf dem Laufenden halten, um ein kompetenter Ansprechpartner für die Kunden zu sein.

Heiße Phase ab Mitte Dezember

Die Auswahl an Spielzeug für Kinder – und für Erwachsene – die heute auf drei Etagen an der Königstraße zu finden ist, lässt sich nicht ansatzweise mit dem Angebot früherer Jahre vergleichen. Die Entwicklung sei rasant, sagt Mareike Gellermann. Allein im Bereich Lego oder Playmobil habe sich das Sortiment in den vergangenen 20 Jahren deutlich vergrößert. Auch für Babys und Kleinkinder gebe es ein größeres Angebot.

Brigitte Gellermann erzählt, dass Spielzeug bei Witthoff in den 60er- und 70er-Jahren nur einen kleinen Teil des Angebots ausgemacht habe. Sie ist – ähnlich wie ihre Tochter – im Haus an der Königstraße aufgewachsen. „Meine Mutter arbeitete im Haushalt der Eickholts“, erzählt sie. Sie selbst sei dort groß geworden und habe dann später eben das Geschäft übernommen. „Damals wurden Wäsche-, Markt- und Babykörbe verkauft“, erinnert sich Brigitte Gellermann. Kinderwagen, Fußmatten und Bodenbeläge, wie das preisgünstige Balatum, seien ebenso angeboten worden wie Koffer und Bürsten. Vor dieser Zeit sei Witthoff als Stellmacherei – in der die Gestelle für landwirtschaftliche Wagen hergestellt wurden – bekannt gewesen.

Im Haus Witthoff hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aber nicht nur das Sortiment der Waren verändert. Auch das Kaufverhalten der Kunden sei ein anderes, sagt Brigitte Gellermann. Während die Eltern bis vor einigen Jahren bereits im Oktober begonnen hätten, die ersten Weihnachtsgeschenke zu kaufen, werden jetzt oft erst wenige Tage vor dem Fest die gewünschten Geschenke zusammengetragen. „Die Werbung beeinflusst die Kinder sehr stark“, sagt Mareike Gellermann. Sei Ende Oktober vielleicht noch ein bestimmtes Lego-Modell aktuell, stehe im Dezember bereits ein Computerspiel ganz oben auf der Wunschliste.

„Die heiße Phase beginnt für uns jetzt am ersten Advent“, sagt Brigitte Gellermann. 14 Tage vor Weihnachten werde es richtig heftig. Dann wird die geliebte Arbeit im Spielwarengeschäft wieder zur Knochenarbeit. Mit Planung, Bestellung, Warenannahme und Buchführung nicht selten an sieben Tagen in der Woche.

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