„Mein Kind hätte tot sein können“

Im Mittelpunkt des Prozesses stand ein 46-jähriger Harsewinkeler. Ihm wurde vorgeworfen, am 1. August 2015 stark alkoholisiert einem Mann eine Flasche gegen den Kopf geschlagen sowie einem Augenzeugen einen Faustschlag verpasst zu haben. Zudem soll er am 22. März 2016 in einer Wohnung in Harsewinkel einem ehemaligen Freund eine Tüte voller Bierflaschen gegen den Kopf geschleudert haben. Weiterhin hielt die Staatsanwältin dem Beschuldigten vor, am 4. Januar 2016 in einem städtischen Wohnheim in Harsewinkel einen 63-jährigen Mann mit einem Baseballschläger und Hammer derart schwer verletzt zu haben, dass das Opfer ins Krankenhaus gebracht werden musste. Trotz der Verletzungen gab der Geschädigte am Freitag gegenüber der Richterin an, keinerlei Erinnerungen an das Geschehene zu haben. Dabei suchte er oft den Blickkontakt zum Angeklagten.

Vorausgegangen war ein Zechgelage

Die gefährliche Körperverletzung vom 22. März 2016 hatte ein Harsewinkeler Ehepaar zur Anzeige gebracht. Die beiden konnten sich sehr wohl noch an die Vorfälle erinnern: Wie der Ehemann (41) sagte, habe ihm der Angeklagte, mit dem er über Jahrzehnte befreundet gewesen sei, eine Tüte mit Bierflaschen gegen den Kopf geschleudert, so dass er dabei verletzt wurde. Vorausgegangen war ein Zechgelage sowie ein Streit in der Wohnung der Eheleute. Die 36-jährige Ehefrau bestätigte diese Angaben. Als der Angeklagte mit einer Tüte voller Bierflaschen in der Hand im Flur stand, um die Wohnung zu verlassen, sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Ehepaar gekommen. Ihr Mann wollte sich daraufhin mit dem damals sechs Jahre alten gemeinsamen Sohn in einen anderen Raum zurückziehen, um dem Streit aus dem Weg zu gehen, als der Angeklagte ihm plötzlich die Tüte mit den Flaschen gegen den Kopf geschlagen habe. „Wenn das mein Kind getroffen hätte, hätte es tot sein können“, schrie die aufgebrachte Mutter den Angeklagten an.

Ehepaar der Lüge bezichtigt

Der bezichtigte das Ehepaar der Lüge. Weil die Situation deshalb im Gerichtssaal kurzzeitig zu eskalieren drohte, forderte die Richterin einige Justizbeamte an. Obwohl der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung durch seinen Anwalt verkünden ließ, sich nicht zur Sache äußern zu wollen, kam es zum Sinneswandel: Er bestritt, den Zeugen verletzt zu haben. Zudem hätten sich zum Tatzeitpunkt noch drei weitere Personen in der Wohnung befunden, die seine Aussage bestätigen könnten. Da er diese namentlich benannte, wurde die Hauptverhandlung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, damit sie als Zeugen geladen werden können.

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