Missbrauch: 20 Monate Freiheitsstrafe

. Seine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung auf unbestimmte Zeit wurde angeordnet. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung hatten das Strafmaß mit Blick auf die verminderte Schuldfähigkeit des 20-Jährigen bestimmt, dem das Jugendschöffengericht im Urteil entsprochen hat. Wie berichtet, lebten Täter und Opfer in einer Wohngruppe beisammen. In der knapp vierstündigen Verhandlung wies der Lippstädter Gutachter Dr. Gerhard Dankwarth auf die besonderen Umstände in diesem Fall hin: Sowohl der zum Tatzeitpunkt noch nicht 18 Jahre alte Täter als auch sein damals zehn Jahre altes Opfer leiden beide an einer besonderen ausgeprägten Form von Autismus, am so genannten Asperger Syndrom. In der Verhandlung fiel deshalb auch der in den Zeugenstand gerufene heute Elfjährige durch sein Verhalten auf. Erst seit 40 Jahren ist das Asperger Syndrom als außergewöhnliche Form von Autismus überhaupt bekannt. Der Wiener Kinderarzt Hans Asperger nannte 1944 in einer ersten Veröffentlichung die Symptome dieser besonderen „Kontaktstörung“. Er beschrieb die betroffenen Kinder als „arm an Mimik und Gestik“. Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar. Was bedeutet, dass der Betroffene bleibende Probleme mit der sozialen Anpassung und den praktischen Seiten der Lebensbewältigung hat. Der Gütersloher Fachanwalt für Familienrecht, Andreas Trylla, am Mittwoch zur „Glocke“: „Wir haben da in ein Wespennest hineingestochen. Denn die Frage, auf welchem geistigen Stand sich mein Mandant befindet, der ja alle seine Straftaten selbst angezeigt hat, bleibt zunächst ungeklärt. Wir wissen deshalb auch nicht wirklich, ob er als Zwölfjähriger oder als Erwachsener zu behandeln ist.“ Laut Gutachter ist der 20-Jährige vermindert schuldfähig, somit straffähig und damit ein „Fall für die Staatsanwaltschaft“, die indessen im Hinblick auf die Erkrankung Autismus den Paragrafen 63 des Strafgesetzbuches bei der Anklageerhebung einbezogen hatte. Danach kommt er in den Maßregelvollzug und damit in eine der Einrichtungen der forensischen Psychiatrie, in denen gewisse Therapien angeboten werden. Ob sich jedoch die Türen für den jungen Mann irgendwann einmal wieder öffnen, müsse abgewartet werden, meinte der Anwalt.

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