Stärken und Schwächen des Standorts
Bild: Aundrup
Benannten die Stärken und Schwächen des Harsewinkeler Wirtschaftsstandorts: (v. l.) der städtische Wirtschaftsförderer Markus Wiegert, Arne Potthoff (IHK-Referatsleiter Industrie, Volkswirtschaft und Statistik), Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide, Burkhard Marcinkowski (Geschäftsführer des Unternehmerverbands), Stadt-Kämmerer Heinz Niebur und Dr. Christoph von der Heiden (Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld).
Bild: Aundrup

Die Ergebnisse wurden am Freitag im Rathaus vorgestellt. Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis zehn (sehr gut) bewerten die 80 beteiligten Unternehmer (angeschrieben worden waren 503) Harsewinkel als Wirtschaftsstandort mit der Note 7,0. Damit liegt die Mähdrescherstadt im kreisweiten Ranking im Mittelfeld – hinter Schloß Holte-Stukenbrock, Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz auf Platz fünf. Rang fünf von zehn Städten. Denn: Die Umfrage fand in Verl schon 2016 statt und mit einer Skala von eins bis sechs (also nicht mit der jetzigen Bewertung zu vergleichen). Und Langenberg und Rietberg folgen 2018. 77 Prozent der befragten Firmen würden sich erneut für die Stadt Harsewinkel als Standort entscheiden – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert im Kreisvergleich. 53 Prozent der Befragten haben ihre Firmen in den vergangenen fünf Jahren vergrößert. 39 Prozent planen in den nächsten fünf Jahren eine Erweiterung. „Prinzipiell ist das eine gute Nachricht und eine riesige Chance für die Stadt, aber das geht eben nur mit mehr Gewerbeflächen“, sagte der Geschäftsführer des Unternehmerverbands, Burkhard Marcinkowski. Der Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, Dr. Christoph von der Heiden, ergänzte: „Das Problem der Verfügbarkeit von geeigneten Flächen wird in Harsewinkel aber deutlich stärker wahrgenommen als in anderen Kommunen. Zumal die Wirtschaft hier wachsen möchte.“

Letzte Gewerbefläche 2011 verkauft

 „Es ist nicht zufriedenstellend, wenn wir den Bedarf nicht decken können. Aber manchmal werden einem auch Grenzen gesetzt. Wenn die Eigentümer ihre Flächen nicht an die Stadt verkaufen möchten, sind uns die Hände gebunden. Dann können wir nichts machen“, sagte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD). Sie bedauerte, dass Zwiebel Düpmann (Marienfeld) ins interkommunale Gewerbegebiet nach Borgholzhausen abgewandert ist. Auch das Marienfelder Bauunternehmer Bauunternehmen Fechtelkord & Eggersmann verlegte den Firmensitz nach Halle, weil es am Standort in Marienfeld an die Grenzen des Wachstums gestoßen ist. Die letzte Gewerbefläche in einer Größenordnung von 5,7 Hektar sei im Jahr 2011 an der Brockhäger Straße an Arvato verkauft worden: „Dadurch wurden 700 Arbeitsplätze geschaffen“, so die Bürgermeisterin. Derzeit laufen die Planungen für das Gewerbegebiet westlich der Steinhäger Straße (8,3 Hektar) und für das interkommunale Gewerbegebiet auf dem Flughafengelände (118 Hektar). Wirtschaftsförderer Markus Wiegert hatte 2015 bei einer Abfrage unter den Unternehmern einen Bedarf an Gewerbeflächen auf dem Gebiet der Stadt von 25 Hektar ermittelt, wie er betonte. „Die Ergebnisse zeigen, dass es einigen Handlungsbedarf gibt“, so Christoph von der Heiden.

Breitbandversorgung ganz oben auf der Liste

Das ist den Unternehmern wichtig: Ganz oben auf der Liste steht die Breitbandversorgung. „Da sind wir dran. Aber es ist auch ein Kraftakt“, sagte Wirtschaftsförderer Markus Wiegert. „Wir müssen in Richtung Glasfaser denken – und zwar direkt bis an die Gebäude. Dann bleibt die Frage: Wer bezahlt es?“ „Das ist das zentrale Thema für die Wirtschaft – und wir müssen nicht mehr über 50 Mbit reden. Die Unternehmen brauchen eine deutlich höhere Datenübertragungsrate. Bei der letzten von uns durchgeführten Befragung im Jahr 2013 war das noch kein Thema“, so von der Heiden. Priorität haben aber auch diese Standortfaktoren: die Erreichbarkeit über die Straße, die Ausbildungsreife der Jugendlichen, eine gute fachärztliche Versorgung und ausreichend Parkraum. Höchste Zufriedenheit herrscht bei den Harsewinkeler Firmenchefs bei der Umweltqualität in der Stadt. Christoph von der Heiden: „Das ist hier eine tolle Lage.“ Ebenso gut bewertet wurden die medizinische Versorgung in der Stadt, die Sport- und Freizeitmöglichkeiten, der kurze Draht zur Stadtverwaltung und die Nähe zum Kunden.

Positiv: Geringe Gewerbesteuern

Unzufrieden sind die Befragten mit der Erreichbarkeit über die Schiene, der Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften und mit der Ausbildungsreife der Jugendlichen. „Die Wirtschaftsfreundlichkeit der Bevölkerung und die längerfristigen Weichenstellungen für Wachstum und Beschäftigung werden jedoch in Harsewinkel eher unterdurchschnittlich bewertet“, berichtete Dr. Christoph von der Heiden. Positiv hervorgehoben werden von den Befragten die geringen Hebesätze bei der Gewerbe- und der Grundsteuer sowie die günstigen Wasser- und Abwasserpreise in Harsewinkel. „Hier ist die Zufriedenheit deutlich größer als im Kreisdurchschnitt. Das wird von den Unternehmern honoriert. Daher ist es ratsam, daran festzuhalten“, so der IHK-Geschäftsführer von der Heiden. Die Lokalpolitiker debattieren über die Ergebnisse der Umfrage in der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag, 16. November, ab 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Ein Kurzinterview zur Standortumfrage mit dem IHK-Geschäftsführer Christoph von der Heiden sowie weitere Zahlen und Fakten lesen Sie in der Wochenendausgabe der „Glocke“.

SOCIAL BOOKMARKS