Stelldichein der Blechroller-Freunde
Aufgereiht standen die Roller, damit die Teilnehmer die Gefährte und Liebhaberstücke genau in Augenschein nehmen konnten.

Nach Marienfeld gerollert waren kunterbunte, handgeschaltete Vespas, Simsons, Zündapps, Lambrettas, Heinkels und Piaggios. „Wir wollen heute Spaß unter Gleichgesinnten haben und Roller-Nostalgie und Gemeinschaft pflegen, denn obwohl es viele Blechroller und Clubs gibt, sind Treffen wie dieses eher selten“, sagte Mitorganisator Andre Werner.

„Wo Rauch ist, ist auch Feuer“, lautete der Schriftzug auf einem Shirt. Gemeint war die blaue Rauchwolke, die bei den flotten Zweitaktern aus dem Auspuff kommt, wenn man Gas gibt. „Das ist Leistung, die man riechen kann“, fanden einige Roller-Enthusiasten aus Lippstadt und Münster.

Zwischen 21 und 66 Jahre waren die Teilnehmer alt. „Rollerfahren kann jeder, aber wenn man ein Zweirad mit Stil haben möchte, dann legt man sich einen handgeschalteten Roller zu“, sagte Vespafahrerin Veronika Habert aus Warendorf.

Beate Rauhut war mit ihrem Mann Martin und Söhnchen Jan aus Ahlen gekommen. Sie gehören seit einigen Jahren der dort ansässigen, zehn Mitglieder starken Roller-Interessensgemeinschaft an.

Martin Rauhut war mit einem seltenen 84er-Vespa-Rollergespann vorgefahren. „Wir hatten uns vor zehn Jahren dafür entschieden, weil wir eigentlich unseren Hund zu Ausfahrten und Treffen mitnehmen wollten. Der ist aber leider nie eingestiegen“, erzählte er. Irgendwann sei der Hund gestorben. „Vor sechs Jahren kam dann unser Sohn Jan auf die Welt, so dass er nun in dem Beiwagen mitfahren kann“, sagte Martin Rauhut.

Seine Frau Beate ist mit einer Vespa Sprint aus dem Baujahr 1971 dabei. Seit 18 Jahren nennt sie dieses Gefährt ihr Eigen. Sollte daran mal „etwas zu schrauben sein“, erledigt sie das mit wenigen Handgriffen. „Selbst ist die Frau“, betonte Beate Rauhut, die aus der Zeitung von dem Zusammentreffen erfahren hatte.

Aus Greffen mit von der Partie waren Vater Dirk und seine Kinder Fynn (11) und Lucie (5). Dank eines speziellen Kindersitzes fanden alle drei Familienmitglieder auf der Simson SR50 aus dem Baujahr 1987 Platz.

Ein unterhaltsamer Teil des Programms war der Langsamfahr-Wettstreit. „Wir wollten mal schauen, wer am langsamsten auf 15 Meter fahren kann“, erläuterte Andre Werner. Immer wieder gingen Rollerfahrer an den Start, um möglichst lange unterwegs zu sein. Einige schafften es sogar, ihr Gefährt für wenige Sekunden im Stillstand unter Kontrolle zu halten. Gewinner wurde Lukas Lukasewitsch aus Lippstadt.

Etliche Teilnehmer traten nach der 40 Kilometer langen Ausfahrt, die von Marienfeld zur Friedrichshöhe nach Steinhagen und zurück führte, wegen des starken Regens vorzeitig den Heimweg an. Die „Soul-Nighter“-Rollerparty am Abend war dann wieder gut besucht. Insgesamt waren die drei Veranstalter zufrieden. Sie versprachen, dass es 2012 ein drittes Blechrollertreffen geben wird.

Gebaut wurde der gute alte Blechroller von 1956 bis 2000, dem Jahr, als Vespa die Produktion einstellte. Die sogenannten Scooter mit Variomatik, günstige Plastikroller aus China, haben die handgeschalteten Legenden wie Vespa, Lambretta, Schwalbe, Simson, Zündapp, Heinkel und Bella vom Markt verdrängt.

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