Workshop macht Klostermedizin schmackhaft
Bild: Ahlke
Beim Probieren konnten die Teilnehmer des Workshops dank Dr. Johannes G. Mayer (links) ungewohnte Geschmackserlebnisse erfahren.
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Während sich die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die aus Indien stammende Ayurveda Heilkunst bereits seit Jahrzehnten als alternative Heilverfahren durchgesetzt hätten, sogar als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt worden seien, habe man vergessen, dass es auch in Europa eine Tradition gebe, die der TCM absolut gleich zu setzen sei, sagte Mayer. Assistiert durch Gisela Menke vermittelte der Medizinhistoriker einen Einblick in diese Tradition.

„Das Wissen um die Heilkraft von Pflanzen und ihre Verwendung für medizinische Zwecke im Mittelalter verdanken wir Mönchen und Nonnen“, so Mayer. Eine systematische Darstellung von mehr als 650 Pflanzen und ihre Bedeutung für die Therapie gegen unterschiedliche Krankheiten finde man im Lorscher Arzneibuch aus dem Jahr 795, dem ältesten erhaltenen deutschen Arzneibuch.

Damit eine Rezeptur nach traditioneller europäischer Klosterheilkunde aus dem Lorscher Arzneibuch gelingt, bedarf es neben der Kenntnis über die geeigneten Zutaten für die erwünschte Wirkung auch Ausdauer und Sorgfalt bei der Zubereitung. Das konnten die zahlreichen Teilnehmer beim Herstellen unter Anleitung praktisch erfahren. Gemeinsam wurden Hustenbonbons aus der Zeit Karls des Großen hergestellt, ein Hustenwein nach Hildegard von Bingen und eine „Diaspolis“ Paste, „wie sie selbst von Spitzenköchen noch nicht serviert worden ist“, so Mayer.

Honig spielte bei allen Rezepten eine wichtige Rolle, um die Bitterstoffe auszugleichen, aber auch zur Konservierung und Desinfizierung. Ein weiterer wichtiger Bestandteil war Andorn, eine Lippenblütlerpflanze, deren Bitterstoffe bei Verdauungs- und Erkältungsbeschwerden wirkt. Thymian, Salbei, Ingwer, Eibisch-Wurzel, in Essig eingelegter und gekochter Kümmel, Natron, grüner Pfeffer und in Wein eingelegte Datteln waren weitere Zutaten.

Der Workshop entstand aus der Vorjahresausstellung „Dagegen ist ein Kraut gewachsen“ im Klostermuseum und dem Kolloquium zur „Kirchengeschichte, Klostermedizin und Klosterpharmazie in Mittelalter und Neuzeit“. Es wurde wie der Workshop organisiert durch den Freundeskreis Propstei Clarholz und die Volkshochschule.

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