Erntedank mit einem alten Bekannten
Bild: Nienaber
Die Idee, den Altar wieder zu beleben, hatte die zweite Vorsitzende des Heimatvereins Benteler, Anita Benteler. Auf dem Hof Benteler war das zweieinhalb Meter hohe Teil vier Jahrzehnte lang verstaut gewesen. Aktuell ist er im Heimathaus zu begutachten. Zum Erntedankfest rückt das Prachtstück wieder in den Blick der Gläubigen aus dem Dorf.
Bild: Nienaber

Im Heimathaus wird er sichtbar sein, wenn die Pfarrgemeinde ab 15 Uhr ihr Erntedankfest feiert. Zwar hat der Pfarrgemeindeausschuss zu einer „Außenandacht“ eingeladen. Doch der Altar erwartet, sicher vor Regen unter Dach, im Erdgeschoss des neuen Domizils der Heimatfreunde an der Vornholzstraße seine Besucher. Dort werden sich alle aus der Gemeinde, die am Erntedankfest teilnehmen möchten, um sich des Zusammenhangs von Mensch und Natur bewusst zu sein, auch am Altar aus der Antoniuskapelle treffen.

Die Idee, den Altar wieder zu beleben, hatte die zweite Vorsitzende des Heimatvereins, Anita Benteler. Auf dem Hof Benteler war das zweieinhalb Meter hohe Teil vier Jahrzehnte lang verstaut gewesen, trocken verpackt im Keller. Der Anlass der Neubelebung des Altars, der zwei Flügeltüren besitzt und im neogotischen Stil hergestellt worden ist – der Schöpfer ist unbekannt – liegt für Anita Benteler auf der Hand: „Bisher hatten wir stets dort, wo auf den Höfen in Benteler Holzkreuze stehen, Erntedank gefeiert.  Jetzt bietet sich unser Heimathaus an. Hier können wir das Prunkstück wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Die frühere Kapelle war von 1856 bis 1859 als so genannte Saalkirche mit Westturm aus Ziegelsteinen errichtet worden. Von 1912 bis 1914 wurde sie im neogotischen Stil erweitert, und zwar um ein Querschiff, den Südostturm, Chor und Sakristei. Der bisherige Altar wurde damit vor Beginn des Ersten Weltkriegs gegen einen neuen ausgetauscht, aus der Kapelle war eine richtige Kirche zu Ehren des Heiligen Antonius geworden. Die heutigen Hoch- und Seitenaltäre sowie die Kanzel kommen aus der „Wiedenbrücker Schule“.

Erbaut hat sie 1914 der Rhedaer Kunsttischler Bücker; die figürlichen Teile stammen vom Wiedenbrücker Bildhauer Siebe; das Gemälde von Künstler Repke, ebenfalls Wiedenbrücker. Und das Sepulcrum soll Reliquien des Heiligen Märtyrers Amantius enthalten. Man kann vermuten, dass auch der kleine Flügelaltar, ebenfalls im Zeichen des Historismus, von Kunsthandwerkern in der 1000-jährigen Nachbarstadt an der Ems geschaffen worden ist.

2007 wurde der Flügelaltar in die Heimatstube in einer vom Heimatverein angemieteten Halle der Firma Schröder gebracht. Dort wurde er zunächst zusammen mit anderen Fundstücken der Benteleraner Heimatgeschichte zwischengelagert. Seit geraumer Zeit kommt er zu neuen Ehren im Ambiente des neuen Heimathauses, das einige Firmenräume weiter, jetzt in der früheren Chefetage der Fabrik, zum Kleinod gediehen ist („Die Glocke“ berichtete).

Am morgigen Sonntag zur Andacht anlässlich des Erntedankfests wird man sich an diese geschichtlichen Dinge sicherlich in gemütlicher Runde erinnern. Vielleicht weiß sogar jemand, wer den kleinen Flügelaltar geschaffen hat. Die Kapelle jedenfalls hat ein Oelder entworfen, und ein Mann aus Wadersloh im gotischen Stil aus Ziegelstein und Mörtel hochgemauert. So ist es jedenfalls im Lagerbuch der Kirchengemeinde notiert worden.

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